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Taliban : Trauerspiel Afghanistan

Wieder ein schwerer Anschlag: Polizei und Soldaten nach der Bombenexplosion in Kabul Bild: AP

Wieder ist es einem Selbstmordattentäter gelungen, bis ins besonders geschützte Zentrum der Hauptstadt Kabul vorzudringen. Doch auch die politische Gemengelage in Afghanistan macht keine Hoffnung. Präsident Karzai hat sich als schwache Figur erwiesen.

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          Die Taliban lassen schon seit Wochen und Monaten keinen Zweifel an ihren Absichten aufkommen. Sie wollen durch Angriffe gegen Soldaten der Isaf-Schutztruppe ihre eigene Macht demonstrieren und durch Gewaltakte ein Klima der Angst erzeugen, das die Menschen davon abhalten soll, am Donnerstag einen neuen Präsidenten zu wählen.

          Nun ist es einem Selbstmordattentäter gelungen, bis ins besonders geschützte Zentrum der Hauptstadt Kabul vorzudringen und vor dem Hauptquartier der Isaf sieben Zivilisten mit sich in den Tod zu reißen. Warum er mehrere Kontrollstellen der Polizei passieren konnte, wird noch zu klären sein – dem Ansehen der ausländischen Soldaten und dem Vertrauen der Bevölkerung in deren Schlagkraft ist das sicherlich nicht förderlich.

          Präsident Karzai: eine schwache Figur

          Doch selbst ohne die terroristische Gewalt der Taliban: Die politische Gemengelage macht keine Hoffnung. Präsident Karzai, der einstige Liebling des Westens, hat sich als schwache Figur erwiesen. Die verschiedenen Ethnien des Landes sind eifersüchtig auf den Erhalt ihrer regionalen Herrlichkeit bedacht und halten von einer Regierung in Kabul nichts. Die Korruption, die einen Großteil der ausländischen Hilfsgelder aufzehrt, und der überaus einträgliche Rauschgiftanbau tun ein Übriges.

          Afghanistan kann der Westen aber nicht sich selbst überlassen. Denn ein Triumph der Taliban würde auch die Terrorgefahr bei uns erhöhen. Und nicht zuletzt die instabile Lage der Nuklearmacht Pakistan, an der die Taliban mit schuld sind, macht ihre Bekämpfung erforderlich. Dass dies auch mehr als die zehn Jahre dauern kann, von denen Verteidigungsminister Jung gesprochen hat, und einen von den Amerikanern geforderten stärkeren Einsatz der Bundeswehr erforderlich machen kann – darüber sollte sich niemand Illusionen hingeben.

          Richard Wagner
          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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