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Nach Taliban-Machtergreifung : Starke Zunahme von Asylanträgen in der EU

Migranten in der zentralen Bearbeitungstelle der Bundespolizei und des Bundesamtes für Migration in Frankfurt (Oder) im November 2021 Bild: dpa

Die Asylbehörde der Europäischen Union verzeichnet wieder Werte wie im Jahr 2016. Die meisten Bewerber kommen aus Afghanistan – auch ohne Luftbrücke. Insgesamt ist die Anerkennungsrate gestiegen.

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          Der Zustrom von Asylbewerbern in die Europäischen Union steigt weiter deutlich an. Im November vorigen Jahres wurden in den 27 Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz insgesamt 71.400 Anträge auf internationalen Schutz gestellt, wie die EU-Asylbehörde am Freitag mitteilte. Das war der zweithöchste Wert seit 2016, nur knapp unter dem Niveau des Spitzenmonats September. Seinerzeit waren die Zahlen in die Höhe geschossen, weil Tausende Afghanen nach der Machtergreifung der Taliban aus Kabul ausgeflogen wurden.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Nun zeigt sich, dass es sich dabei nicht um einen Einmal-Effekt handelte, weil weiter Flüchtlinge nach Europa strömen. Im November stellten 13.000 Afghanen einen Asylantrag, zwei Monate zuvor waren es mehr als 17.000. Auch die Anträge von Syrern, Irakern, Venezolanern und Kolumbianern nahmen zu. Insgesamt sieht die Asylbehörde Hinweise darauf, dass der „zugrundeliegende Trend nach oben ungebrochen bleibt, insbesondere seit Mai 2021“.

          Anerkennungsrate bei 40 Prozent

          Nicht alle afghanischen Anträge waren von Neuankömmlingen. Knapp 3000 bisher nur geduldete Personen stellten vielmehr einen weiteren Antrag auf Schutz, was die veränderte Sicherheitslage im Land widerspiegelt. Zugleich änderten die nationalen Asylbehörden ihre Anerkennungspraxis und erteilten neun von zehn Antragstellern einen Flüchtlingsstatus. Ähnlich sah das Bild für Syrer aus. Dadurch stieg insgesamt die Anerkennungsrate aller Bewerber auf 40 Prozent, während sie lange Zeit bei rund einem Drittel gelegen hatte. Kaum Aussicht auf Anerkennung hatten dagegen Venezolaner und Serben (drei Prozent), während Personen aus Nordmazedonien, Moldau sowie Bosnien-Hercegovina grundsätzlich abgewiesen wurden.

          Stark zugenommen hat die Zahl von Bewerbern, die sich selbst als unbegleitete Minderjährige identifizieren. Sie hatte seit Mai 2021 bei 1500 im Monat gelegen und verdoppelte sich dann im Oktober und November auf 3200. Knapp die Hälfte davon waren Afghanen, was darauf hindeutet, dass afghanische Familien vermehrt junge Familienmitglieder auf den Weg nach Europa schicken.

          Durch den Anstieg der Asylbewerber nimmt auch der Rückstand bei der Bearbeitung von Anträgen zu. Insgesamt schoben die Staaten Ende September mehr als 800.000 Fälle aus allen Instanzen vor sich her, davon mehr als die Hälfte in erster Instanz. Im November allein wurden 45.500 Entscheidungen erster Instanz getroffen – bei mehr als 70.000 Neuanträgen.

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