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Tag der Arbeit : Arbeiter, wir wollen dich hundertprozentig!

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Die Arbeitsfront war deshalb auch für sozialpolitische Bonbons zuständig. Im November 1933 rief sie nach italienisch-faschistischem Vorbild das Freizeitwerk „Kraft durch Freude“ (KdF) ins Leben, das mit organisiertem Massentourismus bei vielen Arbeiterfamilien positive Resonanz fand. Der von DAF und HJ organisierte „Reichsberufswettkampf“ fand Anklang unter jungen Arbeitnehmern. Der von der DAF erdachte „Leistungskampf der Betriebe“ zwang viele Unternehmen zu sozialen Zugeständnissen an die Belegschaften - und trug so zur Akzeptanz der Diktatur bei.

Eine riesige Krake

Mit 25 Millionen Mitgliedern war die DAF mit Abstand die größte Organisation des Reiches. Sie verfügte allein durch die Mitgliedsbeiträge über Gelder, die sämtliche Ausgaben der Reichs- und Länderkultusministerien für Forschung und Lehre übertrafen. Auch um „alten Kämpfern“ ein Auskommen zu verschaffen, baute die DAF einen Apparat von fast 50000 hauptamtlichen (und zwei Millionen ehrenamtlichen) Funktionären auf - ein Funktionärskorps, etwa doppelt so groß wie das der NSDAP. Zudem steckte die DAF enorme Summen in sozialpolitische, berufspädagogische, siedlungspolitische und leistungsmedizinische Projekte.

Die Arbeitsfront wurde zu einer riesigen Krake, die sich immer neue Aufgabenbereiche einverleibte. All diese Aktivitäten beeinflußten nicht unwesentlich die Mentalität der Arbeiter. Der Berufswettkampf, die Kampagnen des DAF-Amtes „Schönheit der Arbeit“ und vieles andere waren mit dafür verantwortlich, daß besonders jüngere Arbeiter ein Leistungs- und Aufstiegsbewußtsein entwickelten, das nicht zuletzt in der Bundesrepublik zum Tragen kam. Vor allem jugendliche Arbeitnehmer wurden nicht mehr durch die klassische Arbeiterbewegung sozialisiert; sie waren offen für neue Wertesysteme. Die terroristische Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die Lock-Angebote des Regimes waren dabei zwei Seiten derselben Medaille.

„Nutznießer und Nutznießerchen“ des Raubkrieges

Nach dem 1. Mai 1933 wurde die gespaltene, gelähmte Arbeiterbewegung zügig zerschlagen. Den Nazis gelang es zwar nicht, einen „Volksstaat“ oder eine „Fürsorgediktatur“ (Götz Aly) zu errichten. Bis 1939 galt vielmehr die von Göring ausgegebene Devise: „Kanonen statt Butter“. Die Effektivverdienste der Arbeitnehmer stagnierten, und trotz egalitärer Rhetorik wuchsen die Einkommensunterschiede. Dennoch gewann der Nationalsozialismus auch in der Arbeiterschaft an Boden, und schuf eine von Leistungsbereitschaft, Karrieredenken und Eigensucht geprägte Mentalität. Lockung und Zwang ließen auch die Arbeiterschichten stillhalten, die bis 1933 den Kern der Arbeiterbewegung ausgemacht hatten.

Nach dem Novemberpogrom 1938 und vor allem seit dem Überfall auf Polen und später auf die Sowjetunion kam etwas anderes hinzu: Der Krieg eröffnete deutschen Wehrmachtssoldaten in den besetzten Ländern ein Eldorado. Er ließ zahllose Arbeiter, die in die graue Soldatenuniform geschlüpft waren, zu „Nutznießern und Nutznießerchen“ (Aly) des nationalsozialistischen Raubkrieges werden. Viele bereicherten sich an jüdischem Vermögen. Die deutschen Arbeiter schließlich, die weiterhin die großdeutschen Industriebetriebe am Laufen hielten, stiegen zu Vorarbeitern und Werkmeistern auf, die sich häufig genug gegenüber „Ostarbeitern“ zu deutsch-arischen „Herrenmenschen“ aufwarfen.

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