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Amazonien-Synode : Tabu Zölibat

Menschen aus dem Amazonas-Gebiet begegnen Papst Franziskus (2.v.l) während der Abschlussmesse der Bischofssynode über die Amazonas-Region im Vatikan. Bild: dpa

1971 sprach sich eine knappe Mehrheit für eine ausnahmslose Beibehaltung des Zölibats aus. Auf der Amazonien-Synode wird über das Thema offen diskutiert. Welche Schlüsse wird Papst Franziskus ziehen?

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          Die Amazonien-Synode, die am Sonntag in Rom zu Ende gegangen ist, hat ein Tabu gebrochen: So freimütig haben Bischöfe im Vatikan seit Jahrzehnten nicht mehr über den Zölibat debattiert. Von der vorherigen Tabuisierung kann Claudio Kardinal Hummes, der die dreiwöchige Synode als sogenannter Generalrelator leitete und maßgeblich an der Abfassung des Abschlussdokuments beteiligt war, ein Lied singen. Als der brasilianische Kardinal im Herbst 2006 kurz nach seiner Ernennung zum vatikanischen Verantwortlichen für einen Großteil der mehr als 400.000 katholischen Priester auf der Welt in einem Interview sagte, dass der Zölibat kein Dogma sei, sondern nur eine disziplinarische Maßnahme, die man jederzeit ändern könne, nötigte ihn der Vatikan zu einer Klarstellung. Hummes musste daraufhin mitteilen, dass es „triftige Gründe“ für den Zölibat gebe und dass das Thema „gegenwärtig nicht auf der Tagesordnung der kirchlichen Behörden steht“.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Sein Fall war symptomatisch für den Umgang mit diesem Thema in den Pontifikaten von Benedikt XVI. (2005–2013) und Johannes Paul II. (1978–2005). Es galt die Devise, die ihr Vorgänger Paul VI. (1963–1978) ausgegeben hatte: Eine öffentliche Diskussion über dieses Thema sei in „keiner Weise opportun“, hatte er 1965 den Teilnehmern des Zweiten Vatikanischen Konzils mitgeteilt und damit eine weitere Debatte unterbunden. Schon während des Konzils war es ein Bischof aus Brasilien gewesen, der angesichts eines schon damals in einigen Regionen herrschenden Priestermangels die Zulassung verheirateter Priester gefordert hatte.

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