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Syrische Opposition : Gemeinsam mit Assad kämpfen? Niemals!

  • Aktualisiert am

Kämpfer der Freien Syrischen Armee werden kaum mit den Truppen Assads zusammen kämpfen. Bild: Reuters

Der französische Außenminister kann sich vorstellen, dass syrische Regierungstruppen in den Kampf gegen den IS eingebunden werden. Die moderate Opposition hält von dieser Idee gar nichts.

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          Die von Frankreich angedachte Kooperation mit Streitkräften der syrischen Regierung stößt bei Gegnern des Regimes auf scharfe Ablehnung. „Dieser Schritt wird nur den Interessen des größten Terroristen Baschar al-Assad dienen“, sagte Ahmed Ramadan, Führungsmitglied des in Istanbul ansässigen Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition, am Freitag. Der syrische Präsident stehe an der Spitze des Terrorismus. „Wir wissen alle, dass es immer ein gemeinsames Interesse zwischen Daesch (der Terrormiliz „Islamischer Staat“/IS) und dem Regime gab“, erklärte Ramadan weiter.

          Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte in einem Interview eine Kooperation mit Assad-Kräften im Kampf gegen den IS nicht mehr ausgeschlossen. Usama Abu Said, ein Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), erklärte, Assad bekomme damit eine weitere Karte, um die syrische Frage zu manipulieren. „Wir haben den Franzosen und anderen Freunden immer gesagt, dass wir es nicht akzeptieren werden, wenn Assad wie auch immer eingebunden wird.“

          Frankreich hatte nach den Anschlägen von Paris versucht, eine Koalition gegen den IS zu schmieden und hat sich deshalb unter anderem auch mit dem russischen Präsidenten Putin getroffen. Dieser will offenbar mit seiner Zusage ernst machen, künftig keine gemäßigten Rebellen in Syrien mehr anzugreifen. Putin habe Frankreich um Kartenmaterial zu Stellungen von Aufständischen gebeten, bei denen es sich nicht um Extremisten handele und die gegen den IS kämpften, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius am Freitag dem Sender RTL. „Er hat sich verpflichtet, sie nicht mehr zu bombardieren, wenn wir das geliefert haben“, ergänzte Fabius, der Frankreichs Präsidenten Francois Hollande am Donnerstag bei einem Besuch in Moskau begleitet hatte.

          Davutoglu ruft zu Einheit auf

          Hollande und Putin vereinbarten eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des IS in Syrien. Beide Seiten würden künftig ihre Geheimdienst-Erkenntnisse über die IS-Miliz und andere Rebellen-Gruppen teilen, um bei ihren Bombardements in Syrien effektiver vorgehen zu können, sagte Hollande. Zudem seien sich beide Länder einig, dass nur Extremisten und IS-Kämpfer angegriffen werden dürften, nicht aber solche, die gegen Terrorismus kämpften.

          Russland war in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen worden, in Syrien vorrangig nicht gegen den IS zu kämpfen, sondern gegen Aufständische, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stürzen wollen und die teils sogar von der westlichen Militärallianz unterstützt werden.

          Ein Problem auf dem Weg zu einer geschlossenen Front gegen den IS stellte der Abschuss eines russischen Kampfbombers im türkisch-syrischen Grenzgebiet durch türkische Kampfflugzeuge dar. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat nun trotzdem zu einem geschlossenen Kampf gegen den IS aufgerufen. „Wir dürfen nicht von der Sache abgelenkt werden, die uns eint“, sagte Davutoglu in einem Interview mit der „Times“. Die internationale Gemeinschaft müsse sich nun auf den Kampf gegen IS konzentrieren. Gleichzeitig müsse die Zukunft Syriens gewährleistet und eine Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden werden. Andernfalls werde der IS seine „hasserfüllte Ideologie“ weiter verbreiten.

          Arnold: „Keine Bodentruppen“

          Den Abschuss des russischen Kampfjets am Dienstag verteidigte Davutoglu abermals. Die Türkei habe ihr Hoheitsgebiet verteidigt. Der Abschuss habe sich jedoch nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet. Man werde mit Russland und den Verbündeten zusammenarbeiten, um Spannungen abzubauen.

          Deutschland hatte Frankreich ebenfalls militärische Unterstützung zugesagt. Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold geht nicht davon aus, dass sich der geplante „Tornado“-Einsatz im Kampf gegen den IS ausweiten und auch zur Bekämpfung von Bodenzielen führen wird. Bislang ist nur der Einsatz von Aufklärungsmaschinen vorgesehen. „An Kampfliegern herrscht derzeit kein Mangel“, sagte Arnold am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“.

          Deutschland habe bei seinen Angeboten genau geschaut, was militärisch Sinn mache. Der von Amerika geführten Allianz mit Frankreich gegen den IS fehle es an Aufklärung und Luftbetankung. Für Frankreich sei es auch hilfreich, wenn Deutschland mit einer Fregatte den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Mittelmeer schütze. Den Einsatz deutscher Bodentruppen schloss Verteidigungsexperte Arnold aus. „Niemand will in dieser Gemengelage nach Syrien gehen.“

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