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Syriens Unterstützer : Die „Achse des Widerstands“ steht

  • -Aktualisiert am

Unterstützer der Hizbullah feiern den siebten Jahrestag des Krieges mit Israel von 2006 Bild: REUTERS

Je stärker der Druck auf Damaskus wird, desto enger rücken Syrien, Iran und die libanesische Hizbullah zusammen. Hizbullah-Führer Nasrallah ist Assads wichtigster regionaler Verbündeter.

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          Auf seine Verbündeten kann Assad sich verlassen. Je mehr der Druck auf Damaskus steigt, desto enger rückt die antiwestlichen „Achse des Widerstands“ aus Syrien, Iran und der libanesischen Hizbullah zusammen. „Ich werde selbst nach Syrien gehen, wenn es nötig ist, um gegen die Ungläubigen zu kämpfen“, sagte der Generalsekretär der libanesischen Hizbullah, Hassan Nasrallah, Mitte dieses Monats. Tags zuvor waren bei einem Anschlag im von seiner schiitischen Parteimiliz kontrollierten Südbeirut 24 Menschen getötet worden. Nasrallah machte sunnitische Terrorgruppen dafür verantwortlich und kündigte an, den Kampf gegen diese auch im Nachbarland zu führen. „Wir werden auf solche Anschläge mit der Verdoppelung unserer Kämpfer in Syrien antworten“, sagte er.

          Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Aufstands gegen Syriens Diktator Baschar al Assad bleibt Nasrallah dessen wichtigster regionaler Verbündeter. War die Unterstützung durch dessen „Partei Gottes“ bis Herbst vergangenen Jahres vor allem politischer Natur, so ist sie inzwischen zu einem Militärpakt geworden. Tausende Hizbullah-Kämpfer unterstützen Assads Streitkräfte beim Kampf gegen die Aufständischen; vor allem in der Provinz Homs, aber auch in der Hauptstadt Damaskus und im nordsyrischen Aleppo. „Es ist unsere Schlacht, und wir sind bereit dafür“, versicherte Nasrallah im Mai dem sieben Jahre jüngeren Assad, als er die Intervention der Hizbullah erstmals öffentlich machte.

          Ein Bündnis der Ausgegrenzten

          In seiner Brandrede kündigte er an, die Interessen seines Hauptsponsors Iran auch außerhalb des Libanons zu verteidigen. Das Ziel sei klar: Die „Partei Gottes“ werde nicht zulassen, dass Syrien als „Rückgrat des Widerstands“ in „die Hände von Amerikanern, Israelis und Gruppen von Abtrünnigen“ falle. Die Einnahme der Stadt Al Qusair Anfang Juni zeigte, wie ernst es ihm mit der Drohung ist: Sunnitische Extremisten der mit Al Qaida verbündeten Al-Nusra-Front lieferten sich dort tagelange Gefechte mit Hizbullah-Kämpfern, die zu Hunderten aus der Bekaa-Ebene nach Syrien eingedrungen waren.

          Gleich nach seinem Amtsantritt 2000 hat Assad sich an die Seite Irans und damit gegen den Westen und Israel gestellt. Nach der Wahl Mahmud Ahmadineschads zum iranischen Präsidenten 2005 wurde die iranisch-syrische Allianz immer enger. Von Beginn an war es ein Bündnis der Ausgegrenzten: Iran steht seit Jahren wegen seiner atomaren Ambitionen international unter Druck; Assad war nach dem Mord an Libanons langjährigem Ministerpräsidenten Rafiq al Hariri im Februar 2005 isoliert. Eine UN-Untersuchungskommission bezichtigte ranghohe syrische Sicherheitskräfte des Anschlags. Assad erneuerte danach den in Vergessenheit geratenen, von seinem Vater Hafiz al Assad in den achtziger Jahren geschlossenen „strategischen Pakt“ mit Teheran. Auch nach dem Amtsantritt des neuen iranischen Präsident Hassan Rohani hat die Führung in Teheran Assad ihre Unterstützung zugesichert.

          Dieser antiwestlichen und antiisraelischen „Achse des Widerstands“ einen Schlag zu versetzten, dürfte im Interesse amerikanischer und britischer Entscheider liegen, die vor Beginn des syrischen Aufstands noch versucht hatten, Assad aus seiner Allianz mit Teheran und der Hizbullah zu lösen. Israel hat das bereits vorgemacht: Drei Mal hat die israelische Luftwaffe seit Anfang des Jahres Militärlager rund um Damaskus bombardiert, in der aus Iran gelieferte, für die Hizbullah bestimmte Raketen gelagert worden sein sollen. Im Januar wurde ein Konvoi mit Luftabwehrraketen an der Grenze zum Libanon bombardiert.

          Ein Warlord wie andere

          Rund dreißig Jahre nach ihrer Gründung als antiisraelische Miliz hat die libanesische Hizbullah mit ihrem Eingreifen in den Syrien-Konflikt einen Kurswechsel vollzogen. Nasrallah hat damit sein ehemals hohes Ansehen unter sunnitischen Arabern - das er sich durch den Krieg gegen Israel 2006 erworben hatte - verspielt. Längst wird er von vielen als Warlord wie andere in Syrien involvierte Milizenführer angesehen.

          Das war anders, als die Hizbullah im Februar 1985 in einem „Offenen Brief an die Entrechteten im Libanon und in der Welt“ offiziell ihre Gründung bekannt gab. Die Belagerung Beiruts durch die israelische Armee im Sommer 1982 hatte Irans Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini dazu bewogen, Hunderte Revolutionswächter in die libanesische Bekaa-Ebene zu schicken, um dort eine schlagkräftige Schiitenmiliz aufzubauen. Zunächst sträubte sich der Präsident des mit der Sowjetunion verbündeten, nominell säkularen Syriens, Assad Senior, gegen das Eindringen der neuen islamistischen Macht in seine eigene Interessensphäre. Doch die beiden Regime, die bereits in ihrer Abwehrhaltung gegenüber dem 1980 in Bagdad an die Macht gelangten Saddam Hussein vereint waren, fanden bald pragmatisch zueinander.

          Ihre Allianz hält bis heute: mit der Hizbullah an der Grenze zu Israel als militärischer Stellvertreter Irans. Nasrallah hat sich der Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten in Teheran bedingungslos unterworfen. Sollte die iranische Führung Raketenangriffe gegen Israel verlangen, stünden Nasrallahs Truppen bereit. Das iranische Außenministerium hat den Westen am Dienstag vor einem Militärschlag gegen Syrien gewarnt. Dies hätte ernsthafte Konsequenzen, die die ganze Region erfassen würden, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des iranischen Parlaments, Hussein Sheikholeslam, am Montag erklärt, dass Israel das „erste Opfer“ einer westlichen Intervention sein würde.

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