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Russischer Außenpolitiker : „Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor“

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Allzeit bereit: Russische Truppen in Syrien im März 2016 Bild: AP

Russische Streitkräfte in Syrien seien in ständiger Bereitschaft, heißt es aus dem Parlament. Syrische Truppen erobern derweil die Stadt Douma – und die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen beruft ihren Exekutivrat ein.

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          Russland bereitet sich nach Angaben aus dem russischen Parlament auf alle Eventualitäten in Syrien vor. Wie Aleksej Tschepa, stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Duma, laut Nachrichtenagentur Ria sagte, müsse man auf alles vorbereitet sein, „auch auf das Schlimmste. Und wir bereiten uns darauf vor. Und das ist verständlich.“ Die russischen Streitkräfte in Syrien seien in steter Bereitschaft, sagte er weiter.

          Satellitenbilder des syrischen Hafens Tartus, der Russland als Basis dient, scheinen diese Vorbereitungen zu untermauern. Die Firma Imagesat verbreitet auf Twitter Bilder, die zeigen sollen, dass ein Großteil der russischen Schiffe den Hafen verlassen habe. Womöglich hänge das mit der Furcht vor Angriffen der Amerikaner zusammen, mutmaßt das Unternehmen. Die russische Zeitung „Komersant“ berichtet dahingehend, dass beide Seiten im Austausch stünden, um russische Opfer zu vermeiden. Kreml-Sprecher Dmitirij Peskow bestätigte den Bericht. Eine Telefon-Hotline zwischen den US-Streitkräften und dem russischen Militär, auf der sich beide Länder über Aktionen in Syrien informieren, ist derzeit „aktiv“, sagte er. „Diese Verbindung existiert und sie ist in einem aktiven Zustand“. Sie werde „von beiden Seiten genutzt“, so Peskow weiter.

          Russischen Angaben zufolge haben unterdessen die syrischen Regierungstruppen nach wochenlangen Kämpfen die Kontrolle über die Stadt Douma übernommen. Die Nationalflagge wehe über dem Rathaus von Douma – und damit auch über ganz Ost-Ghouta, sagte der russische Generalmajor Jurij Jewtuschenko der Agentur Interfax zufolge. Er sprach von einem „symbolischen Ereignis“ für das Bürgerkriegsland Syrien. Zudem habe die russische Militärpolizei in Douma die Arbeit aufgenommen, um für Sicherheit zu sorgen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

          Laut Angaben von Aktivisten hätten die letzten in der Stadt verbliebenen Rebellen ihre schweren Waffen an russischen Truppen übergeben. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mit. Der Anführer der Gruppe Dschaisch al Islam, Issam Buwaidani, habe die Enklave in Richtung Norden verlassen.

          In den vergangenen Tagen hatten Tausende Menschen die zuletzt von Rebellen gehaltene Stadt verlassen. Die Evakuierung Doumas war unter Beteiligung Russlands ausgehandelt worden. Douma liegt in der Region Ost-Ghouta und ist nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt.

          Die Vereinigten Staaten machen die syrische Regierung für einen Einsatz von Giftgas in Douma verantwortlich. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte deswegen mit einem Raketeneinsatz in Syrien gedroht. Syriens Schutzmacht Russland weist die Vorwürfe gegen Damaskus zurück.

          Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) berief ihren Exekutivrat zu einer Sondersitzung wegen des mutmaßlichen Giftgasangriffs ein. Die Diplomaten aus 41 Ländern sollen am Montag in Den Haag zusammenkommen, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Die OPCW hatte bereits angekündigt, ein Team von Fachleuten nach Syrien zu schicken. Russland und Syrien hatten die Organisation zu einer Untersuchung eingeladen. Die OPCW äußerte sich bislang nicht dazu, wann das Team starten soll.

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