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Syrien : Russische Kampfjets fliegen weitere Angriffe

  • Aktualisiert am

Dieses Bild des russischen Militärs soll einen Angriff auf eine Bombenfabrik südlich von Idlib zeigen. Bild: Reuters

Der Kritik westlicher Staaten zum Trotz: Russlands Militär fliegt weitere Luftangriffe in Syrien. Beobachter zählen mindestens 39 getötete Zivilisten.

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          Ungeachtet der Kritik aus dem Westen haben russische Kampfjets am Samstag am vierten Tag in Folge Ziele in Syrien angegriffen. Nach Angaben der russischen Armee wurden in den vergangenen Tagen mehr als 60 Luftangriffe auf mehr als 50 Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflogen. Die Terroristen seien militärisch geschwächt worden, sagte ein ranghoher Armeevertreter russischen Nachrichtenagenturen. Moskau kündigte an, die Angriffe auszuweiten. Die Kampfjets würden strategisch wichtige Ziele von Terrorgruppen „noch intensiver“ bombardieren, sagte Generaloberst Andrej Kartapolow am Samstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

          Großbritannien warf der russischen Regierung vor, nur einer von zwanzig Luftangriffen richte sich gegen den IS. Es gebe Hinweise darauf, dass vielmehr Zivilisten und Aufständische im Visier seien, sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon der Zeitung „Sun“. Russlands Präsident Wladimir Putin stütze damit den syrischen Machthaber Baschar al Assad und verlängere das Leiden der Bevölkerung.

          Der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sind seit Beginn des russischen Einsatzes am Mittwoch mindestens 39 Zivilisten ums Leben gekommen. Zudem seien 14 Kämpfer, vor allem des IS, getötet worden. Vertreter der Aufständischen teilten mit, Russland habe mindestens vier Gruppen getroffen, die von anderen Staaten beim Kampf gegen Assad militärisch unterstützt worden seien.

          Russland macht die Sache nur schlimmer

          Kremlsprecher Dmitri Peskow wies Berichte über tote Zivilisten als feindliche Propaganda zurück. „Die ersten Informationen darüber waren schon aufgekommen, bevor unsere Kampfflieger in den Himmel gestiegen waren“, sagte er. Alle Aktionen Moskaus in dem Bürgerkriegsland seien „absolut transparent“.

          In den vergangenen Tagen sind nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums etwa 60 Angriffe auf rund 50 Stellungen geflogen worden. Rund 600 Kämpfer hätten die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) „aus Furcht vor Angriffen“ verlassen, sagte Generaloberst Kartapolow.

          Putin gehört zu den wichtigsten Verbündeten Assads. Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge wurden bei den Angriffen zuletzt ein Kommandoposten und ein unterirdischer Waffenbunker in der Nähe der Extremistenhochburg Rakka getroffen. Während Russland betont, gegen den IS Präzisionsbomben einzusetzen, beschuldigt Großbritannien Moskau, auch auf Gebiete mit Zivilisten und mit vom Westen unterstützten Feinden Assads zu zielen. Der britische Premierminister David Cameron kritisierte das Vorgehen Moskaus. „Es ist völlig klar, dass Russland nicht zwischen dem Islamischen Staat und rechtmäßigen syrischen Oppositionsgruppen unterscheidet. Damit unterstützen sie den Schlächter Assad, helfen ihm und machen die Sache nur noch schlimmer“, sagte Cameron.

          Gefahr für die UN-Hilfen

          Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew wies die Kritik zurück. Mit den Attacken wolle Moskau auch Islamisten von seinem Staatsgebiet fernhalten, sagte er in einem am Samstag ausgestrahlten Interview des TV-Senders Rossija-24. „Wir schützen das Volk Russlands vor Terror - weil es besser ist, dies im Ausland statt auf eigenem Territorium zu tun“, meinte der Ministerpräsident.

          Die Vereinten Nationen erklärten unterdessen, nicht wie geplant Verletzte aus dem Bürgerkriegsland bringen zu können. Ein entsprechender von Iran und der Türkei unterstützter Plan liege wegen „verstärkter militärischer Aktivitäten“ auf Eis, sagte eine UN-Sprecherin am Freitag. Zwar gab es keinen direkten Hinweis auf die jüngsten Luftangriffe Russlands. Ein Insider sagte jedoch, das russische Eingreifen gefährde die UN-Hilfen.

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