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Syrien : Opposition dementiert Flucht von Rebellenführer

  • -Aktualisiert am

Salim Idriss, Kommandeuer der „Freien Syrischen Armee“ Bild: AP/dpa

Salim Idriss befinde sich im Kreise seiner Generäle, erklärte die syrische Opposition am Donnerstag. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, der gemäßigte Rebellenchef sei vor islamistischen Milizen nach Qatar geflohen.

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          Wenige Wochen vor der in Genf geplanten Friedenskonferenz geht die Schwächung der gemäßigten syrischen Opposition weiter. Zwar dementierte ein Sprecher der Nationalen Syrischen Koalition (SNC) am Donnerstag einen Bericht des „Wall Street Journals“, wonach der Generalstabschef der Freien Syrischen Armee (FSA), Salim Idriss, nach der angeblichen Einnahme seines Hauptquartiers im Norden Syriens über die Türkei nach Qatar geflohen sei.

          Islamistischen Kämpfern sei es lediglich gelungen, Waffendepots der moderaten Aufständischen gegen Präsident Baschar al Assad einzunehmen. Idriss befinde sich derweil im türkisch-syrischen Grenzgebiet im Kreis seiner Generäle in Verhandlungen mit Führern der Islamischen Front, um eine Rückkehr der islamistischen Milizionäre unter das gemeinsame Dach des Obersten Militärrats in Istanbul zu ermöglichen.

          Das Bündnis aus sieben islamistischen Gruppen hatte sich im November von dem von Idriss geführten Zentralkommando abgespalten, weil es der FSA-Führung nicht gelungen war, sie mit ausreichen Waffen zu versorgen. Die Regierungen in Washington und London reagierten bereits am Mittwoch mit der Einstellung aller „nichttödlichen Hilfe“ in die von den Aufständischen befreiten Gebiete im Norden Syriens, nachdem bekannt geworden war, dass die Islamische Front am Wochenende neben einem Grenzübergang zur Türkei auch Waffendepots eingenommen hatte, in denen aus den Vereinigten Staaten stammende Militärausrüstung lagerte. Ein Sprecher der Oppositionsarmee forderte Großbritannien und Amerika am Donnerstag auf, diese Entscheidung zu überdenken.

          Idriss hatte sich erst Anfang Dezember zur Teilnahme an der in der Schweiz geplanten Friedenskonferenz bereit erklärt – und angekündigt, seine Einheiten in die reguläre syrische Armee zu überführen, sollte Assad eines Tages zurücktreten. Doch sechs Wochen vor dem als „Genf II“ bezeichneten Gipfeltreffen wird seine auf 40000 Mann geschätzte Armee in einem Zweifrontenkrieg zermürbt, den sie kaum gewinnen kann: In den befreiten Gebieten verliert sie an Boden gegenüber der Islamischen Front, die 45000 Kämpfer unter Waffen hat, und im Grenzgebiet zum Libanon führen Assads Einheiten seit Wochen eine Offensive durch, die die Aufständischen weiter ins Hintertreffen bringt.

          Wie die Freie Syrische Armee bekämpft auch die Islamische Front den größtenteils aus ausländischen Söldnern zusammengesetzten Al-Qaida-Ableger des Irakischen Staats im Irak und Syrien (Isis). Einig sind sich Idriss und die von Saudi-Arabien unterstützte Islamische Front auch in ihrer Kritik der westlichen Staaten, die die FSA zwar offiziell unterstützen, bislang aber nur unzureichend militärisch bewaffnet haben. Am Donnerstag forderte die Islamische Front außerdem – wie zuvor schon die Nationale Koalition –die sofortige Freilassung der Menschenrechtsanwältin Razan Zaytouneh, die am Dienstag im Damaszener Vorort Duma gemeinsam mit drei anderen Oppositionellen entführt worden war.

          Die Trägerin des Sacharow-Preises des Europaparlaments ist gut tausend Tage nach Beginn des Aufstands gegen das Regime eine der wenigen verbliebenen vernehmbaren Stimmen, die aufzeigt, dass es Alternativen zu Assad und Al Qaida gibt. Kurz vor ihrer Entführung schrieb sie, dass der Westen zu „Aufstieg und Popularität“ der Dschihadisten beigetragen habe, „indem er Unterstützung für die Freie Syrische Armee verzögerte“. Das Werben Idriss‘ um die Rückkehr der Islamischen Front unter sein Kommando dauert bereits seit Wochen an; im November kam es auf Vermittlung Qatars in Ankara zu einem Treffen, an dem auch amerikanische Vertreter teilnahmen. Ziel sei es auszuloten, inwieweit die islamistischen Assad-Gegner im Vorfeld von „Genf II“ in den diplomatischen Prozess eingebunden werden könnten, zitierte das „Wall Street Journal“ einen amerikanischen Regierungsvertreter.

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