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Kampf gegen den „IS“ : Fast 4000 Hinrichtungen im „Islamischen Staat“

  • -Aktualisiert am

Bild aus einem Propaganda-Video des „IS“ aus den ersten Monaten nachdem die Terror-Gruppe ihren eigenen Staat ausgerufen hatte. Es soll die Hinrichtung syrischen Militärpersonals zeigen. Bild: AFP

In den vergangenen zwei Jahren hat der „IS“ Tausende Menschen hinrichten lassen - mit teils absurden Begründungen. Nun sollen die Dschihadisten auch acht niederländische Kämpfer aus den eigenen Reihen ermordet haben.

          Fast 4000 Menschen hat die Terror-Miliz „Islamischer Staat“ auf syrischem Gebiet hinrichten lassen, seit sie im Juni 2014 ihren eigenen Staat ausgerufen hatte. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag mit.

          Die Beobachtungsstelle dokumentierte allein für den vergangenen Monat 71 Hinrichtungen, davon 28 Zivilisten. Insgesamt seien es seit Ausrufung des Kalifats 3967 Menschen gewesen. 2142 davon waren Zivilisten.

          Die Todesurteile habe die Miliz dabei unterschiedlich begründet. Etwa mit „Zusammenarbeit mit den ungläubigen Kurden“, „Ehebruch“, „Beleidigung des Koran“ und „Hexerei“. Hingerichtet wurden die Verurteilten unter anderem durch Köpfen, Steinigen, Verbrennen und Erschießen. Manche wurden auch von hohen Gebäuden gestoßen.

          Unter den Hingerichteten befinden sich auch 271 gegnerische Kämpfer der Kurden-Miliz YPG und der al-Qaida-nahen Nusra-Front sowie über 1117 Angehörige der regimetreuen syrischen Armee.

          Auch seine eigenen Anhänger richtet der „IS“ hin

          424 der Hingerichteten waren selbst Mitglieder des „Islamischen Staates“. Ihnen wurde unter anderem Spionage, „Zusammenarbeit mit den Kreuzfahrern“, Fahnenflucht und religiöse Verfehlungen vorgeworfen.

          Nach Angaben der Organisation „Raqqa wird im Stillen geschlachtet“ ermordeten „IS“-Anhänger erst am vergangenen Freitag  acht ihrer eigenen Kämpfer, die aus den Niederlanden stammten. Die Männer seien wegen versuchter Fahnenflucht und Aufruhrs getötet worden, berichtete die Organisation „Raqqa wird im Stillen geschlachtet“ am Montag über Twitter. Die Niederländer seien am Freitag in Maadan in der Provinz Raqqa exekutiert worden. Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte am Dienstag allerdings, nach Informationen ihrer Quellen, handele sich bei der Meldung um ein Gerücht.

          Die Organisation „Raqqa wird im Stillen geschlachtet“ dokumentiert seit April 2014 das Vorgehen der IS-Miliz in der nordsyrischen Stadt Raqqa, der Hochburg der Dschihadisten. Nach ihren Angaben gab es seit einem Monat Spannungen zwischen einer Gruppe von 75 niederländischen IS-Kämpfern, von denen einige marokkanische Wurzeln hätten, mit irakischen Mitgliedern des IS-Geheimdienstes. Bei einem Verhör sei ein Niederländer nach Schlägen gestorben. Ein Abgesandter aus Raqqa sei daraufhin aus Rache von den Niederländern erschossen worden. Daraufhin seien alle Niederländer auf Anordnung aus dem Irak ins Gefängnis geworfen, acht von ihnen seien exekutiert worden.

          Nach Angaben des niederländischen Geheimdienstes, der die Exekutionen nicht bestätigte, haben sich 200 Niederländer der IS-Miliz in Syrien und im Irak angeschlossen, darunter 50 Frauen.

          Der „Islamische Staat“ kontrolliert weite Landesteile in Syrien und im Irak, musste zuletzt aber Gebietsverluste hinnehmen. Er wird sowohl von Syriens Präsident Assad und seinen Schutzmächten Russland und Iran als auch von der westlichen Koalition unter amerikanischer Führung angegriffen. Von der Feuerpause, die seit Freitagnacht gilt, ist der „IS“ ebenso wie die Nusra-Front explizit ausgenommen.

          Neuer Lehrgang für Peschmerga in Deutschland

          Deutschland unterstützt den Kampf gegen den „IS“ unter anderem mit Aufklärungsflugzeugen und Waffenlieferungen an die nordirakische Peschmerga-Miliz der Kurden.

          Zurzeit schult die Bundeswehr im niedersächsischen Munster kurdische Offiziere aus dem Nordirak. Dabei soll es vor allem um militärische Aufklärungsfähigkeiten mit technischen Hilfsmitteln gehen. Nach dem Ende des Lehrgangs am 6. März sollen die Teilnehmer ihr Wissen als Multiplikatoren im Irak weitergeben.

          In diesem Jahr soll nach Angaben der Bundeswehr die Ausbildung kurdischer und irakischer Sicherheitskräfte erheblich erweitert werden. Kurden und Iraker sollen dabei auf den Gebieten der Aufklärung, Panzerabwehr und Kampfmittelbeseitigung geschult werden.

          Amerika intensiviert den Cyberkrieg

          Amerika weitet im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ ihre Cyber-Angriffe aus. Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter und Generalstabschef Joseph Dunford sagten, sie seien entschlossen, die Anti-IS-Kampagne zu intensivieren. Dabei spielten Cyber-Attacken eine wichtige Rolle. Die Kommandokette der Extremisten müsse „unterbrochen“ werden, um das Vertrauen des „IS“ in seine Netzwerke zu erschüttern, sagte Carter.

          Technisch ins Detail gehen wollte der Pentagon-Chef nicht. Er sagte lediglich, die Taktik sei es, die Netzwerke der Dschihadisten zu „überladen“, damit sie nicht mehr funktionierten. Dabei würden auch „neue Methoden" zur Anwendung kommen.

          Das Internet hat einen hohen Wert im Kampf des „IS“. Es ist zentraler Teil der Kommunikation und Rekrutierung neuer Kämpfer, weswegen die Medienarbeit unter den Dschihadisten als ebenso verdienstvoll angesehen wird wie der Tod im bewaffneten Kampf.

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