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Syrien : Die Revolutionäre kämpfen einen Abnutzungskrieg

  • -Aktualisiert am

Großdemonstration in Syrien Bild: AFP

In Syrien stehen die Gegner des Assad-Regimes alleine da. Der Führung der Opposition droht die Kontrolle über einzelne Gruppen verlorenzugehen, die schon zu den Waffen greifen.

          Gestern Genf, heute Brüssel, morgen Kairo und Ende der Woche wieder zurück in Washington: Radwan Ziadeh ist viel unterwegs zurzeit. Eines Tages könnte er der neue Außenminister Syriens sein, doch bislang ist er nichts weiter als der Direktor für auswärtige Beziehungen des syrischen Nationalrats. Immerhin verfügt die syrische Opposition mit dem Zusammenschluss Dutzender Regimegegner Anfang des Monats in Istanbul erstmals über einen Dachverband, der mit einer Stimme spricht. Besser freilich mache das die Lage der Regimegegner im Land nicht, sagt Ziadeh, nicht zuletzt, seit Anfang des Monats die Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat verhindert wurde.

          Das Veto Russlands und Chinas gegen die von den europäischen Sicherheitsratsmitgliedern formulierte Resolution markierte den Beginn einer neuen Phase im Kampf gegen das Regime Baschar al Assads. Waren die Wochen nach Beginn des Aufstands im März noch geprägt vom raschen Erfolg der Revolutionen in Tunesien und Ägypten, so ist längst Ernüchterung eingekehrt. Die Hoffnung der syrischen Freiheitsbewegung, Assads Sicherheitskräfte im Fastenmonat Ramadan zum Aufgeben zu zwingen, hat sich zerschlagen - und die auf ausländische Unterstützung nun auch. Gefeiert wurde während des Ramadan in Tripolis und Benghasi, nicht in Hamas oder Homs. Auch von befreiten Gebieten, wie sie die libyschen Rebellen dank Nato-Unterstützung erkämpften, können ihre syrischen Gesinnungsgenossen weiter nur träumen.

          Ein Schrei der Verzweiflung

          Stattdessen befindet sich das Land in einem Abnutzungskrieg zwischen kaum bewaffneten Oppositionellen und Assads Elitetruppen, die unterstützt werden durch rund 5000 Sondereinheiten von Geheimdiensten und Polizei. Allein nach Ende der Fastenzeit im August sind Hunderte Demonstranten getötet worden, nach UN-Angaben sind es mehr als 3000 seit dem Frühjahr.

          Syriens Präsident Assad setzt auf direkte Gewaltanwendung zum Machterhalt

          Ziadehs Forderung nach einer „von den Vereinten Nationen eingerichteten Flugverbotszone und einer Schutzzone an der Grenze zur Türkei“ klingt da wie ein Schrei der Verzweiflung. Denn - das weiß auch der schon 2007 wegen seiner oppositionellen Tätigkeit in die Vereinigten Staaten geflohene Politikwissenschaftler - durchgesetzt werden könnten diese nur mit militärischer Hilfe von außen. Und dazu ist angesichts Syriens explosiver Nachbarschaft zu Israel, Libanon und dem Irak kein Nato-Staat bereit. Selbst die Türkei Recep Tayyip Erdogans, der Assad deutlich kritisierte, dürfte an einem Grenzkonflikt kein Interesse haben, in den rasch Syriens einziger regionaler Verbündeter Iran hineingezogen werden könnte.

          Misshandlung von Demonstranten

          So wissen die syrischen Revolutionäre nicht wirklich, wie es weitergehen soll. Die Leichtigkeit, mit der die im Westen schnell zu „Facebook“- und „Twitter“-Revolutionären hochgejubelten jungen Aktivisten noch vor kurzem zu Werke gingen, ist wie weggeblasen. „Als wir im März anfingen, Videos mit brutalen Übergriffen der Sicherheitskräfte an die Medien zu geben und ins Netz zu stellen, dachten wir, sie würden aufhören zu töten und die Revolution würde siegen“, sagt Majid Arur, der beim Zusammenschluss der Regimegegner in Istanbul dabei war. „Doch das Gegenteil ist der Fall: Assads Einheiten gehen immer härter gegen die Demonstranten vor.“ Das Dogma der Gewaltfreiheit, an dem die Bewegung so lange festhielt, hält der in Iran tätige Ingenieur inzwischen für überholt. „Ich glaube nicht, dass unsere Revolution gewinnen wird, wenn wir nicht kämpfen.“

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