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Syrien : An Putins Faden

  • -Aktualisiert am

Russlands Bereitschaft zur Waffenruhe in Syrien ist keine ganz so wundersame Fügung, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Für Präsident Putin ist die Gelegenheit zur Deeskalation günstig.

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          Vielleicht war es eine kleine Operation in psychologischer Kriegführung, als der russische Ministerpräsident auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor eineinhalb Wochen den Eindruck erweckte, Moskau gehe auf einen harten Konfrontationskurs zum Westen. Zumindest in Syrien scheint die russische Regierung nämlich doch an jener Zusammenarbeit interessiert zu sein, die sie auf ebendieser Konferenz vereinbarte. Ohne ein Machtwort aus Moskau hätte Präsident Assad sich sicher nicht zu einer Feuerpause und zu Wahlen bereitgefunden. Russland hat den Gewaltherrscher in Damaskus erkennbar unter Kontrolle, soviel steht jetzt fest. Das kann nur einen Grund haben: Seine Streitkräfte sind ohne russische Hilfe offenbar viel schwächer, als viele dachten.

          Die russische Bereitschaft zur Waffenruhe ist keine ganz so wundersame Fügung, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Für Präsident Putin ist die Gelegenheit zu einer militärischen Deeskalation günstig. Er hat mit überschaubarem Aufwand schon viel erreicht. Er hat seinen Verbündeten stabilisiert, den russischen Einfluss in Syrien und in Nahost erneuert - und er hat vor allem erzwungen, was ihm in der Ukraine noch verwehrt geblieben ist: Die Amerikaner haben sich mit den Russen an einen Verhandlungstisch gesetzt. Das ist nicht nur Balsam auf die Seele einer Staatsführung, die wieder Weltmacht sein will; es bietet auch die Aussicht auf weitere strategische Geschäfte mit Washington. Eine Fortführung des innersyrischen Teils des Konflikts dürfte die Bilanz aus Moskauer Sicht nur unwesentlich verbessern, könnte aber die Kosten in die Höhe treiben. Die sind ja schon bisher beträchtlich, wie die Zerrüttung des russisch-türkischen Verhältnisses zeigt.

          Die Ukraine-Krise hat gelehrt, dass man den Kreml nicht mehr beim Wort nehmen kann. Deshalb bleibt abzuwarten, ob die vereinbarte Waffenruhe am Samstag wirklich zustande kommt und ob sie hält. Zu Recht weist die syrische Opposition darauf hin, dass das Regime versuchen könnte, unter dem Deckmantel des (ohne Zweifel nötigen) Kampfes gegen die Dschihadisten weiter gegen sie vorzugehen. Es ist auch nicht gewiss, dass die regionalen Akteure, vor allem die Türkei, Iran und Saudi-Arabien, mitspielen. Aber eines lässt sich doch sagen: Zum ersten Mal in fünf Jahren Krieg besteht Aussicht, das Blutbad in Syrien einzudämmen.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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