https://www.faz.net/aktuell/politik/synodaler-weg-debattiert-ueber-missbrauch-in-der-kirche-17780340.html

Missbrauch in der Kirche : Wie offen sind die Bischöfe für eine staatliche Aufarbeitung?

Über Reformen sprechen: Auftakt der Synodalversammlung in der Frankfurter Messe Bild: Frank Röth

Beim Synodalen Weg wird auch über Missbrauch debattiert. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz verweist auf das Erreichte – dennoch hagelt es Kritik.

          4 Min.

          Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, hat versucht, Forderungen nach einer staatlichen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche als gegenstandslos darzustellen. Nach der Vorstellung des Münchner Missbrauchsgutachtens seien Stimmen laut geworden, die Kirche brauche „Hilfe von außen“, sagte der Trierer Bischof am Freitag während der dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt. Die Bischöfe selbst hätten jedoch schon „von Anfang an“ – seit der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie 2018 – gesagt, dass eine solche Hilfe von außen nötig sei, so Ackermann in seinem Bericht zum Stand der Missbrauchsaufarbeitung. Es gebe längst eine staatliche Beteiligung an der Aufarbeitung.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Als Beleg dafür wollte Ackermann die Vereinbarung der Bischofskonferenz mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung vom Juni 2020 verstanden wissen. Sie legt Kriterien für die Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungskommissionen in den Bistümern fest. Die Bischöfe gestehen dem Missbrauchsbeauftragten allerdings keinerlei Kontrollrechte oder Sanktionsmöglichkeiten für den Fall zu, dass sie die Vereinbarung nicht erfüllen.

          Votum für eine Abschaffung des Zölibats

          Als weiteres Beispiel verwies Ackermann darauf, dass die Landesregierungen jeweils vier Mitglieder für diese Aufarbeitungskommissionen der Bistümer nominieren sollen. „Ich glaube, das macht deutlich: Wir brauchen diese Beteiligung und wir wollen sie“, resümierte der Missbrauchsbeauftragte. Er ignorierte, dass mit der Forderung nach einer staatlichen Aufarbeitung in der Regel die Einrichtung einer Art Wahrheitskommission durch den Bundestag oder einer anderen staatlichen Instanz mit umfassenden Kontrollrechten gemeint ist.

          Dennoch gab es vom Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz am Freitag zunächst ungewohntes Lob: Die neue Personalaktenordnung der Bischofskonferenz sei „gut und richtig“ und das „Maximum, dessen was datenschutzrechtlich möglich“ sei, sagte Johannes Norpoth, einer der Sprecher. Die seit Jahresbeginn in Kraft getretenen Regelwerk waren eine Konsequenz aus der Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz. Sie hatte eklatante Mängel in der bisherigen Aktenführung beanstandet, die einer Vertuschung Tür und Tor öffneten.

          Aber das blieb das einzige Lob für die Bischöfe. Norpoth warf ihnen vor, die Kritik des Betroffenenbeirats am Verfahren für die Anerkennungsleistungen für Missbrauchsopfer zu ignorieren und „das Problem auszusitzen“. Der Beirat beanstandet, dass die Verfahren zu lange dauerten und die Beträfe zu niedrig seien.

          Norpoth hielt den Bischöfen außerdem vor, die Bitte des Betroffenenbeirates zur Sitzung des Ständigen Rats im November eingeladen zu worden, um ihre Kritik vorzutragen, abgelehnt zu haben. Die Bischöfe predigten seit Wochen und Monaten „von gemeinsamer Verantwortung für die Überwindung dieser Krise, von Offenheit und Transparenz“. Aber bei einem der zentralen Themenfelder der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt wiesen sie dem Betroffenenbeirat „bestenfalls einen Platz am Katzentisch zu“, sagte Norpoth.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vielen zu teuer: Für 49 Euro pro Monat im Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen

          Deutschlandticket : Das 49-Euro-Ticket ist vielen wohl zu teuer

          Von Mai an sollen Bürger für einen Festpreis den ganzen Nahverkehr im Lande nutzen können. Doch Forscher erwarten, dass nur eine Minderheit vom Auto in Busse, U- und S-Bahnen umsteigt.
          Die Sonne geht auf: Blick auf die Commerzbank und den Main in Frankfurt

          Comeback der Commerzbank : Von wegen „alte gelbe Bank“

          Die Rückkehr in den Dax krönt die Sanierung des Kreditinstituts. Es gibt einen Platz für die Commerzbank, wenn sie ihren klaren Fokus behält, mutig ist und die verbleibenden Baustellen abarbeitet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.