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Fall Huawei : Darum verhaftet Peking nun Kanadier

Xi Jinping (M), Präsident von China bei der Eröffnungsfeier des Nationalkongresses des Kommunistischen Jugendverbands Chinas am 26. Juni Bild: dpa

Das Reich der Mitte betrachtet die Festnahme der Huawei-Finanzchefin als Teil des Handelskonflikts mit Washington. Die Folgen bekommen Unbeteiligte zu spüren.

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          Am selben Tag, an dem der beurlaubte kanadische Diplomat Michael Kovrig vom Pekinger Büro der chinesischen Staatssicherheit festgenommen wurde, ging die Staatssicherheit in der Grenzstadt Dandong, 900 Kilometer weiter östlich, gegen einen anderen Kanadier vor: den Reiseunternehmer Michael Spavor. Das war bereits am Montag dieser Woche. Kovrigs Verschwinden fiel als erstes auf. Sein Arbeitgeber, die International Crisis Group, bestätigte seine Festnahme am Mittwochmorgen und zeigte sich besorgt über dessen „Gesundheit und Sicherheit“. Am Mittwochabend dann sprach die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland erstmals von einem zweiten Fall: „Uns ist der Fall eines Kanadiers bekannt, der sich mit uns in Verbindung gesetzt hat, weil er von chinesischen Behörden befragt wurde. Seither ist es uns nicht gelungen, ihn  zu kontaktieren.“ Die Regierung arbeite mit Hochtouren daran, herauszufinden, wo er sich befinde.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Erst am Donnerstag bestätigte das chinesische Außenministerium auf Anfrage, beide Männern stünden „unter Verdacht, sich in einer Weise verhalten zu haben, die Chinas nationale Sicherheit gefährdet“. Ministeriumssprecher Lu Kang behauptete, die kanadische Botschaft sei in beiden Fällen informiert worden. Am Mittwoch jedoch hatte er noch erklärt, er habe keine Informationen über den Fall Kovrig. Zugleich insinuierte er, dessen Arbeitgeber, die International Crisis Group sei in China nicht als Organisation registriert, so dass Kovrigs Arbeit im Land gegen das neue NGO-Gesetz verstoßen haben könnte.

          Michael Spavor war auf Gruppenreisen nach Nordkorea, Austauschprogramme und Geschäfte in dem Land spezialisiert. Er lebte in Dandong, der chinesischen Grenzstadt zu Nordkorea. In Peking berichtete er zuweilen über seine Begegnungen mit Machthaber Kim Jong-un, den er bei einem Vortrag in diesem Jahr als „Freund“ bezeichnete. Spavor vermittelte nach eigenen Angaben auch die Besucher des Basketball-Stars Dennis Rodman bei Kim Jong-un.

          Offenbar hat keiner der beiden Kanadier bislang Zugang zu einem Anwalt oder kanadischen Diplomaten gehabt. Schon die Festnahme Kovrigs hatten mehrere ehemalige kanadische Diplomaten als Versuch Chinas gedeutet, Druck auf Kanada ausüben zu wollen, um eine Auslieferung der chinesischen Managerin Meng Wanzhou an die Vereinigten Staaten zu verhindern. Die Nachricht von Spavors Festnahme dürfte diesen Verdacht erhärten. Die Finanzchefin des Technologiekonzerns Huawei und Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei war am Dienstag von einem Gericht in Vancouver unter strengen Auflagen und gegen eine Kaution von umgerechnet 6,6 Millionen Euro vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden.

          Nur einen Tage vor der Festnahme der beiden Kanadier hatte Chinas Kommunistische Partei in der „Volkszeitung“ Kanada wegen Mengs  Festnahme „ernsthafte Konsequenzen“ angedroht. Am Donnerstag legte der Chefredakteur der Parteizeitung „Global Times“, Hu Xijin, nach: Die „Rache“ Chinas werde „noch viel schlimmer sein, als einen Kanadier festzunehmen“, wenn das Land Meng Wanzhou nicht freilasse.

          International Crisis Group „tief besorgt“

          Die kanadische Regierung äußerte sich „tief besorgt“ über beide Fälle. Die Organisation International Crisis Group, für die Michael Kovrig seit Februar 2017 als Berater für Ostasien mit Sitz in Hongkong tätigist, teilte mit, sie habe nach der Festnahme keine weiteren Informationen von den chinesischen Behörden erhalten. Man bemühe sich, konsularischen Zugang für ihn sicherzustellen.

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