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Südkorea : China protestiert gegen amerikanische Raketenabwehr

  • Aktualisiert am

Diese Südkoreaner in Seoul halten wenig von der amerikanischen Raketenabwehr im eigenen Land. Bild: EPA

Washington beschleunigt seine Schutzmaßnahmen gegen Pjöngjang im Süden der koreanischen Halbinsel. Die Antwort aus Pekig lässt nicht auf sich warten. Auch in Südkorea selbst regt sich Widerstand.

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          China hat den beschleunigten Aufbau eines amerikanischen Raketenabwehrsystems in Südkorea massiv kritisiert. Die Regierung in Peking forderte die Vereinigten Staaten und Südkorea am Mittwoch auf, das System zurückzuziehen. Auch in Südkorea stieß der Beginn der Arbeiten auf Proteste. Der Favorit für die Anfang Mai anstehende Präsidentenwahl forderte, die Stationierung auszusetzen und die Entscheidung darüber der neuen Regierung zu überlassen. Angesichts der verstärkten Spannungen im Konflikt mit Nordkorea begannen die Vereinigten Staaten und die südkoreanische Regierung früher als erwartet damit, Teile des sogenannten „Terminal High Altitude Area Defense“ (Thaad) Abwehrsystems zum 250 Kilometer südlich von Seoul gelegenen Standort zu bringen. Amerikas Präsident Donald Trump wollte im Laufe des Tages den gesamten Senat über seine Nordkorea-Strategie informieren.

          China habe den Vereinigten Staaten seine ernsten Bedenken mitgeteilt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die Regierung in Peking trägt zwar die UN-Sanktionen gegen das Atomprogramm Nordkoreas mit, befürchtet aber, dass die amerikanische Raketenabwehr mit ihrem weitreichenden Radar China ausspähen soll. Zudem befürchtet China, dass die Stationierung das Sicherheitsgleichgewicht in der Region zerstöre. Auch Russland wandte sich gegen die Stationierung von Thaad. Es soll Kurz- und Mittelstreckenraketen abwehren und diese auch außerhalb der Erdatmosphäre zerstören können. Die Vereinigten Staaten und Südkorea hatten im vergangenen Jahr die Stationierung verabredet, um damit der Bedrohung durch nordkoreanische Raketen zu begegnen. Es soll nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums bis Ende des Jahres einsatzbereit sein.

          Gegen das Eintreffen der ersten Bauteile auf einem früheren Golfplatz demonstrierten mehrere Hundert Anwohner. In Fernsehbildern war zu sehen, wie sie die Transportfahrzeuge mit Wasserflaschen bewarfen. Moon Jae-in, der als Favorit in die für den 9. Mai geplanten Präsidentenwahl zieht, ließ erklären, mit der Entscheidung werde die öffentliche Meinung ignoriert. Erst nach einer breit geführten Debatte und weiteren Beratungen mit den Vereinigten Staaten solle eine Entscheidung über das Raketenabwehrsystem getroffen werden.

          Der Konflikt um Nordkorea hatte sich zuletzt verschärft.  Präsident Trump hat angekündigt, härter gegen das nordkoreanische Atomprogramm vorzugehen als sein Vorgänger und auch einen Militärschlag nicht ausgeschlossen. Er entsandte kürzlich einen Marine-Kampfverband um den Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ in die Region. Zudem lief am Dienstag ein Atom-U-Boot in einem südkoreanischen Hafen ein. Trump lud für Mittwoch alle hundert Senatoren ins Präsidialamt, um ihnen seine Nordkorea-Strategie zu erläutern. Anschließend (23.00 Uhr MESZ) sollen Regierungsvertreter das Repräsentantenhaus informieren.

          Unterdessen präsentierte China am Mittwoch seinen ersten selbst gebauten Flugzeugträger. Im staatlichen Fernsehen waren Bilder zu sehen, wie der in der Hafenstadt Dalian gebaute Träger mit roten Fahnen geschmückt zu Wasser gelassen wurde. Militärexperten zufolge dauert es aber noch, bis das Schiff vollständig ausgerüstet ist, so dass der Träger frühestens 2020 in Dienst genommen werden könne. Die Volksrepublik hatte 1998 bereits einen gebrauchten Flugzeugträger von der Ukraine gekauft und umgerüstet.

          Die Regierung in Peking treibt die Modernisierung ihrer Streitkräfte voran, um die militärischen Fähigkeiten im Ausland zu verbessern. Ein Zeichen dafür sind ihre Ansprüche auf das Südchinesische Meer, die China immer deutlicher durchzusetzen versucht. Auch Brunei, Malaysia, die Philippinen, Vietnam und Taiwan stellen in dem Gebiet Ansprüche, in dem große Öl- und Gasvorkommen vermutet werden.

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