https://www.faz.net/-gpf-tm50

Sudan : Baschir gegen Hybrid-Truppe

  • Aktualisiert am

Der sudanesische Präsident Baschir hat den Einsatz einer Friedenstruppe unter gemeinsamen Kommando der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU) in der Krisenprovinz Darfur abgelehnt und damit die zuvor UN-Generalsekretär Annan gemachten Zusagen zurückgezogen.

          2 Min.

          Der sudanesische Präsident Baschir hat den Einsatz einer Friedenstruppe unter gemeinsamen Kommando der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU) in der Krisenprovinz Darfur abgelehnt und damit die zuvor UN-Generalsekretär Annan gemachten Zusagen zurückgezogen. Annan hatte eine sogenannte Hybrid-Truppe aus UN und AU vorgeschlagen, weil sich Khartum einer reinen UN-Blauhelmmission vehement widersetzt. „Wir haben der Entsendung einer Hybrid-Truppe nie zugestimmt“, sagte Baschir am Montag in einem in acht Länder übertragenen Fernsehinterview. Sudan werde nur finanzielle und logistische Hilfe der UN akzeptieren. Ohnehin sollten die Truppen in Darfur Teil der AU sein und unter deren Kommando stehen. Gleichzeitig sagte Baschir, er suche nach einem „Mittelweg“, der auch die UN zufriedenstelle.

          Annan hatte vergangene Woche bestätigt, daß Khartum schon am 16. November bei Verhandlungen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba einem Drei-Phasen-Plan für eine Friedenstruppe mit UN-Beteiligung zugestimmt habe. Strittig seien nur die Größe der Truppe und die Frage, wer dieses Kontingent befehligen soll. Bei den UN will man jetzt erst die offizielle Antwort Baschirs abwarten, mit der während der an diesem Mittwoch beginnenden AU-Verhandlungen über den Darfur-Einsatz in der nigerianischen Hauptstadt Abuja gerechnet wird. „Wir reagieren nicht auf Pressekonferenzen“, heißt es weiter. Die sudanesische Führung werde wohl eine Unterstützung durch die UN begrüßen, solange die AU die vollständige Kontrolle behalte. Inwieweit westliche Staaten dann auch bereit wären, zusätzlichen Personal für eine solche Truppe unter AU-Regie zu stellen, werde sich erst zeigen, sagen Diplomaten.

          Baschir nannte den Vorschlag Annans zwar einen „positiven Schritt“, bezeichnete UN-Soldaten aber gleichzeitig als „Kolonialtruppen, die in Afrika noch nie etwas gebracht haben“. Zudem lehnte Baschir die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Gesamttruppenstärke von 20.000 Mann ab. Es sei Sache des AU-Kommandeurs, diese Stärke zu definieren, und der brauche nicht mehr als 9000 Soldaten. Zur Zeit sind 7000 AU-Soldaten in Darfur stationiert. Nach Annans Vorschlag soll diese Truppe auf 17.000 Soldaten und 3000 Polizisten vergrößert werden.

          Baschir bestritt zudem die Opferzahlen in Darfur. Die von den UN verbreitete Zahl von 200.000 Toten sei „maßlos übertrieben“, sagte er. Vielmehr habe es in dem seit 2003 andauernden Konflikt bislang „nur“ 9000 Opfer gegeben. Baschir beschuldigte die internationale Presse, eine ausländische Militärintervention herbeizureden. Außerdem handele es sich bei der Auseinandersetzung in Darfur weder um einen Genozid noch um ethnische Vertreibung. Vielmehr sei die Ursache des Konfliktes ein Streit zwischen viehzüchtenden Nomaden und seßhaften Bauern um die besten Böden nach mehreren Dürrejahren, sagte Baschir.

          Die unsichere Lage und Plünderungen gefährdeten die Versorgung von Flüchtlingen, berichteten jedoch „Ärzte ohne Grenzen“ und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) am Dienstag. In einem am Montag veröffentlichten UN-Bericht wird die Zahl der Vertriebenen in Darfur hingegen auf mittlerweile zwei Millionen Menschen geschätzt. Aufgrund der prekären Sicherheitslage für Hilfsorganisationen können nur 64 Prozent dieser Flüchtlinge versorgt werden.

          Weitere Themen

          Riesenprotest im Miniformat Video-Seite öffnen

          „Toy Story“ in Hongkong : Riesenprotest im Miniformat

          Sie sind unglaublich detailgetreu: Demokratieaktivisten in Form von Figürchen und Puppen sind in Hongkong derzeit der letzte Schrei. Wegen der politischen Zensur in der chinesischen Sonderverwaltungszone mussten einige Teile im Ausland hergestellt werden.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.