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Migranten aus Afrika : Wanderungsbereitschaft wächst dramatisch

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Flüchtlinge und Migranten warten auf einem überfüllten Schlauchboot darauf, nördlich von Al Khums (Libyen) gerettet zu werden. Bild: dpa

Gut die Hälfte der Menschen südlich der Sahara würden einer Umfrage zufolge gern ihr Land verlassen. Bis zu eine Million wartet in Libyen auf die Fahrt nach Europa. Droht eine zweite Flüchtlingskrise?

          In den vergangenen sieben Jahren haben knapp eine Million Menschen aus Afrika in Europa Asyl beantragt. Das geht aus einer Analyse des  „Pew Research Centers“ auf Grundlage von Daten der Europäischen Statistikbehörde (Eurostat) hervor. Die Wanderungsbereitschaft in der Region ist demnach in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Umfragen der amerikanischen Denkfabrik in den sechs wichtigsten Herkunftsländern zufolge tragen sich mittlerweile große Teile der Bevölkerung mit dem Gedanken, ihre Heimat zu verlassen. Rund die Hälfte aller Menschen würde in einem anderen Land leben wollen, so sie die Mittel und die Möglichkeiten dazu hätten. In Ghana und in Tansania wären dazu rund drei Viertel bereit. Ein bedeutender Teil der Befragten plant sogar konkret, in den kommenden fünf Jahren ihre Heimat zu verlassen, vor allem im Senegal (44 Prozent), in Ghana (42 Prozent) und in Nigeria (38 Prozent). Geringere Quoten ergeben die Befragungen in Südafrika (22 Prozent), Kenia (19 Prozent) und Tansania (acht Prozent).

          Welche Folgen die hohe Wanderungsbereitschaft für die Migrationsströme in Richtung Europa haben wird, ist nach Einschätzung der Analysten schwer zu sagen. Das Gros der rund fünf Millionen Migranten in den vergangenen sieben Jahren waren Flüchtlinge, die in andere Staaten der Region flohen. Allerdings ist die Zahl der Asylsuchenden aus Afrika in Europa in den vergangenen Jahren meist gestiegen. Die Pew-Forscher gehen davon aus, das zwischen 400 000 und einer Million Menschen aus Afrika in Libyen auf die Überfahrt nach Europa warten. Die Zahl der illegal in die EU eingereisten Flüchtlinge und Migranten war nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 2017 um 60 Prozent zurückgegangen.

          Als Gründe für die wachsende Wanderungsbereitschaft gelten neben politischen Instabilitäten und Konflikten hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und Bevölkerungswachstum. Sie führen dazu, dass sich die Perspektiven für die Menschen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara-Zone trotz Wirtschaftswachstum weiter verschlechtert. Von den knapp einer Million Asylsuchenden aus der Region, die in den vergangenen sieben Jahren nach Europa gelangt sind, leben heute rund 420 000 in Europa. Das ist rund ein Zehntel aller Menschen aus Sub-Sahara-Afrika, die ihr Zuhause auf dem Kontinent gefunden haben. Deutschland ist davon bislang kaum betroffen. Drei Viertel von ihnen leben in Großbritannien, Frankreich, Portugal und Italien.

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