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„Stuttgart 21“ : „Kopfbahnhof 21“ vorgestellt

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und Architekt Peter Conradi (li.) sagte, ein Vorzug von K21 sei es, dass es kein Großprojekt sei Bild: dpa

Die Gegner von „Stuttgart 21“ haben ihr Konzept vorgestellt. Dabei sollen das Gleisnetz des Kopfbahnhofs und das Bahnhofsgebäude saniert werden. Die Vorstellung einer Alternative ist für das Aktionsbündnis strategisch wichtig.

          Beim vierten Schlichtungsgespräch zur Befriedung des Konflikts über das Verkehrsinfrastrukturprojekt „Stuttgart 21“ (S21) ist diskutiert worden, ob das Modell „Kopfbahnhof 21“(K21) eine Alternative sein könnte. Das Konzept der Gegner sieht vor, das Gleisnetz des Kopfbahnhofs sowie das Bahnhofsgebäude zu sanieren. Auf den Tunnel zum Anschluss des Flughafens würde dann verzichtet werden, die Züge in Richtung Ulm/München sollten weiterhin über Bad Cannstatt und die Neckartalstrecke nach Wendlingen geführt werden. Die Vorstellung des K-21-Konzepts während der Schlichtung ist für das Aktionsbündnis der Gegner strategisch wichtig, weil sie so dem Vorwurf entgegen treten können, sie hätten keine Alternative.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und Architekt Peter Conradi sprach für die Gegner; er sagte, ein Vorzug von K21 sei, dass es kein Großprojekt sei und stufenweise gebaut werden könne. Die Grundzüge des Modells erläuterte Klaus Arnoldi, der stellvertretende Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD): K21 koste nur ein Drittel, es müssten nur Tunnel von insgesamt 13 Kilometern Länge gebaut werden, Bahnhofsneubauten seien nicht notwendig. Die Bahn, so Arnoldi, habe seit 1994 nie geprüft, welche Kapazitätsreserven der alte Kopfbahnhof habe.

          Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer (Grüne) behauptete, dass sich mit einem modernisierten Kopfbahnhof 58 Zugverbindungen beschleunigen ließen, mit S21 jedoch nur 30. Palmer vertrat zum wiederholten Male den grünen Fraktionsvorsitzenden Kretschmann; Palmer, der zu den wichtigsten Anführern der Gegner gehört, muss sich in Tübingen – wegen eines Sparhaushaltes – selbst mit Bürgerprotesten auseinander setzen.

          Lärmbelästigung und Zerteilung Stuttgarts

          Der Technikvorstand der Bahn AG, Kefer, sagte, den Gegnern fehle ein einheitliches Konzept, es gebe mehrere Varianten von K21. Wer den Kopfbahnhof modernisiere, nehme eine höhere Lärmbelästigung und die Zerteilung Stuttgarts weiterhin in Kauf. Es sei auch falsch, wenn die Gegner behaupteten, statt einer 100 Hektar großen Fläche bei S21 werde mit K21 eine 75 Hektar große Fläche geschaffen.

          Ein ausgebauter Kopfbahnhof sei frühestens im Jahr 2035 fertig, denn es müsse neue Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren geben. Nachdem die Gegner, allen voran der Architekt Conradi, zunächst bestritten hatten, dass es neue Planfeststellungsverfahren geben müsse, gab Palmer schließlich: „Wir räumen ein, wir brauchen neue Genehmigungen.“

          Für das Konzept K21 müssten nach Bad Cannstatt zwei zusätzliche Gleise gebaut werden; sie müssten auch durch das äußerst enge und bebaute Neckartal zwischen Untertürkheim und Mettingen geführt werden. Bei Mettingen und Hedelfingen im Osten Stuttgarts müsste entweder eine große Brücke über den Neckar oder ein Tunnel unter dem Fluss gebaut werden, um die Gleise an die Neubaustrecke nach Ulm anzuschließen. Nach Aussage des Verkehrswissenschaftlers Heimerl würde K21 3,74 Milliarden Euro kosten, S21 kostet 4,1 Milliarden Euro. Der Schlichter Geißler sagte, K21 sei offenbar technisch machbar. Er sei die Strecke über die Geislinger Steige nach Ulm immer gern gefahren: „Wir lassen eine der schönsten Bahnstrecken der Welt verschwinden.“

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