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Abstimmung über Stuttgart 21 : Koschte es, was es wolle

„Gut, dass Sie nicht umfallen“

In Horb hält der Zug für wenige Minuten. Der Bahnchef lässt sich mit dem Bürgermeister fotografieren, dann geht es weiter nach Tuttlingen. Grube gibt eine Reihe von Interviews. Schon als Daimler-Manager sei er von Stuttgart aus mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen gefahren. „Das Auto ist bei den Reisezeiten das unberechenbarste Verkehrsmittel“, sagt er und schwärmt von der Geschwindigkeit seiner ICE-Strecken.

„Überall, wo ich hinkomme, sagen die Leute: Gut, dass Sie nicht umfallen, gut, dass Sie stehen!“ Zur Begrüßung gibt es aber lediglich höflichen Applaus. Der marginalisierte Tuttlinger Bahnhof hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Bahn muss eben mit den Widersprüchen leben, die sie selbst geschaffen hat. Vielleicht glauben die Menschen der Bahn auch nicht mehr, dass sie es in Stuttgart besser macht. Einige Gründe gäbe es.

Seit zwei Jahren in der Defensive

SPD, CDU und FDP, also die Befürworterparteien, haben kleine Stehtische mit Fahnen aufgebaut, für die sich niemand interessiert. Es sind überzeugte Funktionäre gekommen - aus den Rathäusern und den Landratsämtern der Umgebung. In Tuttlingen ist sie präsent, die ganz große Koalition in Baden-Württemberg. Alle drei Parteien wollen den Bahnhof, haben eine parlamentarische Mehrheit und sind durch die Protestbewegung doch seit zwei Jahren in der Defensive.

Ein Mann dreht sich eine Zigarette, ein Tuttlinger Bürger sogar - aber wenn er nicht den Auftrag hätte, die Mikrofonanlage aufzubauen, wäre er zu Hause geblieben. Es spricht der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel: „Ich bleibe dabei. Wir sind die Guten.“ Es gehe am 27. November um die Frage, ob der Schienenverkehr des Landes im 21. Jahrhundert ankomme oder nicht, ob die Menschen neue Voraussetzungen des Wohlstands schaffen würden oder nicht. Volker Kauder, der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, stößt ins gleiche Horn. Dann legt Grube die schöne blaue Seidenkrawatte ab. Das soll kämpferisch wirken. „Stuttgart 21 und die Gäubahn gehören zusammen, weil man dann schneller zum Flughafen kommt, dann fährt auch Volker Kauder mit dem Zug zum Flughafen.“

Einfach und ziemlich prägnant

Dann spricht Erwin Teufel, der frühere Ministerpräsident. Er nennt seinen Vorredner zwar den Bahn-Präsidenten, doch für seine Rede bekommt er den stärksten Beifall, denn er formuliert, wie so oft in seinem Leben, einfach und ziemlich prägnant: „Wir sollten nicht hinter dem Weitblick unserer Vorfahren im 19. Jahrhundert zurückbleiben, die im Eisenbahnbau etwas Fortschrittliches gesehen haben.“ Einem Reporter sagt er dann, dass er die Anti-Bahnhofs-Bewegung eigentlich nicht verstehe. „Das war unumstritten, und dann explodiert alles.“

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