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Abrissarbeiten für Stuttgart 21 : Der Protest erfriert - vorerst

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Um 15.07 Uhr erfolgte der Baggerbiss in das denkmalgeschützte Gebäude, dessen Fundamente mit dem geplanten S21-Tiefbahnhof kollidieren würden. Etwa 200 Polizisten waren im Einsatz, um die Bauarbeiten zu schützen Bild: dpa

Den Beginn der Abrissarbeiten des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs haben – auch wegen winterlicher Temperaturen – nur etwa 80 Bahnhofsgegner begleitet. Mit heftigen Protesten rechnet die Polizei dagegen bei der Räumung im Schlossgarten.

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          Die Bahn hat am Montag mit dem Abriss des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs begonnen. Um 15 Uhr begann ein Spezialbagger damit, eine erste Mauer einzureißen. Der „Baggerbiss“ verzögerte sich wegen technischer Probleme um zwei Stunden.

          m August 2010 war der Nordflügel des von Paul Bonatz entworfenen und 1928 fertig gestellten Bahnhofs abgerissen worden. Die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 hatte damals erheblichen Zulauf bekommen.

          „Ein Projekt der Mafia“

          Der Beginn der Abrissarbeiten des Südflügel begleiteten – auch wegen winterlicher Temperaturen – nur etwa 80 Bahnhofsgegner. Die meisten diskutierten friedlich mit den Konfliktberatern der Polizei. Eine Frau schrie: „Das ist ein Projekt der Mafia“. Ein älterer Mann hielt ein Porträt des Architekten Bonatz hoch. Vor seiner Auswanderung in die Türkei hatte Bonatz für die Nationalsozialisten einen Entwurf für einen neuen Münchner Hauptbahnhof gezeichnet.

          Die alte Bahnsteighalle bleibt für den neuen Durchgangsbahnhof erhalten. Mit heftigen Protesten rechnet die Polizei bei der Räumung des Zeltdorfs im Schlossgarten. Dann sollen 108 Bäume gefällt werden; zuvor müssen einige Baumhäuser geräumt werden. Ein Eilantrag eines Bonatz-Enkels, mit dem dieser den Abriss verhindern wollte, wies der Verwaltungsgerichtshof (VGH) ab.

          Verkehr kurzfristig zum Erliegen gebracht

          Das Eisenbahnbundesamt hatte der Deutschen Bahn am vergangenen Donnerstag nach wochenlangen Prüfungen Erlaubnis für die Baumfällungen gegeben. Bereits am Mittwoch hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart Eilanträge von Projektgegnern abgelehnt.

          Am Montagabend brachten mehrere hundert Stuttgart-21-Gegner den Verkehr in der Innenstadt für rund eine Stunde zum Erliegen. Nach der sogenannten Montagsdemonstration mit nach Polizeischätzungen rund 2300 Teilnehmern zogen mehrere hundert Gegner des umstrittenen Milliardenprojekts zum Charlottenplatz nahe des Bahnhofs und blockieren dort den Verkehr.

          In einer Volksabstimmung in Baden-Württemberg hatte sich eine Mehrheit der Bürger Ende November für den Bau von „Stuttgart 21“ ausgesprochen. Die grün-rote Landesregierung sicherte daraufhin die Umsetzung des Projekts zu. Ungeachtet davon gibt es weiter Proteste gegen das Bahnhofsprojekt.

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