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Stuttgart 21 : Trulla, trulla, trullala

Er wollte es sich bequem machen: Eine Goiß hat er sich kaufet und dass sie ihm ned entlaufet, bindet sie de guede Ma hinte an de Wage a. Bild: "Fliegende Blätter" (1853)

Stuttgart 21 soll weitergebaut werden. Doch bald schon könnte es den Schwaben so gehen wie dem Bauer und sei’m Goißbock: ... findt er bloß no Kopf und Soil an dem hintre Wagedoil.

          Die Entscheidung des Aufsichtsrats der Bahn, „Stuttgart 21“ weiterzubauen, bedeutet noch lange nicht, dass der Bahnhof in der geplanten Form auch fertig gebaut wird. Dazu müssten sich Bund, Land und Stadt einig darüber sein, wer welche zusätzliche Kosten übernimmt.

          Doch weder die Stadt Stuttgart unter ihrem neuen grünen Bürgermeister Fritz Kuhn noch das Land Baden-Württemberg mit seinem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann machen Anstalten, dem von CDU, FDP und SPD getragenen Bau etwas Grünes abgewinnen zu können. Kretschmann hat dafür einen Refrain gefunden („die Volksabstimmung gilt“), der wasserdicht, aber luftleer ist. Denn das Volks-Ja zum Bahnhof stand unter einem Kostenvorbehalt.

          Mit anderen Worten: Wenn der Bahnhof teurer wird, soll nicht das Volk von Baden-Württemberg, sondern der Bund dafür geradestehen, erst recht und günstigerweise, wenn eine Bundestagswahl ansteht. Dass es bei den Zusatzkosten auch um Folgen eines überfrachteten Verfahrens geht, schert die Front der grünen Auf-die-lange-Bank-Schieber nicht. Ihr Refrain lautet eigentlich: Trulla, trulla, trullalla ...

          So kann es gehen: Auf de nächschte Statione, wo er will sei Böckle hole, findt er nor no Kopf ond Soil an dem hendre Wagedoil.
          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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