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Sturz des Diktators : Ägyptisches Geschenk

  • -Aktualisiert am

Barack Obama bei einer Pressekonferenz zu Mubaraks Rücktritt Bild: AFP

Nur zögerlich öffnete Barack Obama Hand und Herz: In einer Rede nach dem Rücktritt Mubaraks pries er den Friedensmut und die Freiheitssehnsucht der Ägypter. Zuvor schwächte seine Regierung die zarte Demokratiebewegung.

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          Amerikas Präsident hat das Geschenk aus Ägypten nur zögerlich angenommen. Erst ganz zum Schluss, als die Massenproteste den Sturz des Diktators schon fast erreicht hatten, öffnete er Hand – und Herz. In einer Fernsehansprache nach dem Rücktritt Mubaraks pries Barack Obama den historischen Augenblick von Kairo, den Friedensmut und die Freiheitssehnsucht des ägyptischen Volkes. Denn aus der Seele eines jeden Menschenkindes dringe der Schrei nach Freiheit, zitierte Obama den amerikanischen Freiheitskämpfer Martin Luther King. Diesen Ruf vom Kairoer Tahrir-Platz habe die ganze Welt vernommen.

          Doch nach Freiheit haben viele Ägypter schon vorher gerufen. Sie wurden in den Kerkern des Regimes rasch zum Schweigen gebracht. Zwar beschwor Obama auch in seiner Kairoer Rede vom 4. Juni 2009 die universalen Werte von Freiheit und Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechten. Um sich aber von seinem Amtsvorgänger Bush zu distanzieren und um einen Bruch mit dessen als Ideologieimperialismus gebrandmarkter „Freiheitsagenda“ zu markieren, strich die Regierung Obama die Finanzhilfe für ägyptische Menschenrechts- und Oppositionsgruppen zusammen. Das freute Mubaraks Regime und schwächte die zarte ägyptische Demokratiebewegung.

          Vom Maghreb über das Rote Meer bis zum Persischen Golf blicken nun Diktatoren, Könige und Emire seit fast einem Monat schaudernd nach Tunesien und Ägypten. Mit dem Aufstand in Tunis mochte noch niemand gerechnet haben. Doch Washingtons hartnäckiges Treuebekenntnis zum längst wankenden Pharao in Kairo wirkte seltsam entrückt. Schon beim Aufstand der Iraner gegen die gefälschte Präsidentenwahl von 2009 schien Washington dem Freiheitsdrang der Menschen zu misstrauen. Es ist an der Zeit, seinen ureigenen Idealen mehr zu vertrauen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

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