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Studie zu Vorbehalten gegen Asylbewerber : Wo der Daumen links ist

Gibt es eine „verlorenen Mitte“? Rechtspopulistische und antidemokratische Einstellungen sind in der deutschen Bevölkerung einer aktuellen Studie zufolge weiter tief verwurzelt. Bild: dpa

Die Wachsamkeit gegenüber Rechtsextremismus kann nicht groß genug sein. Doch es ist ein Ärgernis, dass Studien dazu missbraucht werden, die Gefährdung der Mitte einseitig darzustellen.

          Die „Mitte-Studien“, die in regelmäßigen Abständen von der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Leipziger Universität herausgegeben werden, genießen zurecht die wachsende Aufmerksamkeit einer um ihre Mitte besorgten Gesellschaft. Bis in den Schulunterricht hinein gelten sie deshalb als Standardwerke zur Beurteilung von Rechtsextremismus. Das ist einerseits gut so, weil die Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Verachtung von Demokratie und Minderheiten nicht groß genug sein kann. Was die Studie der Ebert-Stiftung zutage fördert, ist deshalb beunruhigend, aber wiederum auch nicht überraschend: Der Rechtspopulismus hat sich festgesetzt, hat politische Sitten verdorben und dadurch rechtsextremistische Schleusen geöffnet, die besser geschlossen geblieben wären.

          Andererseits ist es ein wiederkehrendes Ärgernis, dass solche Studien im Übereifer dazu missbraucht werden, die Gefährdung der Mitte einseitig darzustellen – einmal abgesehen von Übertreibungen, die schon im Titel liegen: Von einer „verlorenen Mitte“, wie jetzt auf dem Deckel der Studie der Stiftung zu lesen ist, kann keine Rede sein. Allenfalls droht die Mitte, in der sich die beteiligten Forscher verorten, verloren zu gehen. Die liegt nämlich eher links.

          An manche Einseitigkeit hat man sich gewöhnt: Etwa dass im Vorwort noch von „rechtsextremistischen“ Einstellungen die Rede ist, daraus spätestens im fünften Kapitel „rechte“ Mentalitäten geworden sind. Ginge es um linksextremistische und linke Einstellungen, würde zumindest Ralf Stegner protestieren. Auch, dass die Ursache von Rechtspopulismus nur am Rande mit der Migration zu tun haben darf, aber um so mehr mit „Neoliberalismus“, hat wohl mehr mit der Ebert-Stiftung als mit seriöser Extremismusforschung zu tun.

          Kann nicht sein, was nicht sein darf? Dafür ein anderes Beispiel: Dass die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gewachsen sei, liest die Studie auch daran ab, dass jemand positiv auf die Feststellung reagiert, die meisten Asylbewerber würden in ihren Heimatländern ja gar nicht verfolgt. Bei einer Gesamtschutzquote, die nur selten bei mehr als 50 Prozent der Anträge liegt, ist das nicht ganz von der Hand zu weisen. Mit solchen Fangkonstruktionen erweisen sich diese und andere Studien einen Bärendienst. Sie vergessen dabei gerne, dass rechts immer da ist, wo der Daumen links ist.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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