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Studie : „Irritierendes Verhalten vieler Migrantenkinder“

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Längeres gemeinsames Lernen

Deutsche Eltern hingegen wollten ihre Kinder zu selbstbewussten, gebildeten, entscheidungsstarken Persönlichkeiten erziehen. Während Individualität für sie nach der Studie ein hochgeschätzter Wert ist, macht sie türkischen Eltern Angst: Hier gilt das Kollektiv - Familie und Herkunftsnation - mehr als der Einzelne. Selbständigkeit und Selbstbestimmung, die in der Schule verlangt und gefördert werden, sind keine Erziehungsziele, im Gegenteil: Aus Angst, dass die Kinder sich in einer „westlichen“ Umgebung zu freizügig verhalten, werden viele stark gemaßregelt. Auch unterschiedliche Intensität von schulischen und heimischen Disziplinierungsmaßnahmen bereitet den Kindern Probleme: „Türkische Kinder sind gewohnt, richtigen Ärger zu bekommen, wenn sie zu Hause etwas Verbotenes tun“, sagt Mafaalani. „Wenn bei Blödsinn in der Schule ein Lehrer nur sanft an Einsicht und Verständnis appelliert, nehmen sie ihn nicht ernst.“ Hier plädiert Toprak für die „konfrontative Methode“: klare Grenzen zu setzen, auf Fehlverhalten sofort zu reagieren, keine Ausflüchte zu akzeptieren und Konsequenzen folgen zu lassen.

Selbst in den Motiven für die Gründung einer Familie unterscheiden sich türkisch- und arabischstämmige Einwanderer von der Mehrheitsgesellschaft, wie die Autoren beschreiben. Sie differenzieren zwischen „ökonomisch-utilitaristischen“ Motiven (Alterssicherung, Beitrag zum Familienhaushalt), „psychologisch-affektiven“ Motiven (Freude, emotionale Stärkung) und „sozial-normativen“ Motiven (Statuserhöhung, Fortführung des Familiennamens). Bei türkischen und arabischen Eltern dominiere die utilitaristische Sicht auf Kinder. Gerade der Wunsch nach Söhnen beruht darauf, dass diese im islamischen Kulturkreis Teil der Herkunftsfamilie bleiben und die Eltern unterstützen, während die Mädchen mit der Heirat Teil einer anderen Familie werden. Die Berufswünsche der Eltern für ihre Kinder sind daher ambitioniert: Auch Kinder mit Hauptschulempfehlung sollen Arzt, Anwalt oder Ingenieur werden. Wenn die Eltern begreifen, dass dafür die Voraussetzungen nicht stimmen, ist die Enttäuschung groß. In deren Wahrnehmung ist dann „das deutsche Schulsystem“ schuld, das Migranten nicht genug fördere.

Um der Schulmisere zu begegnen, plädieren die Autoren dafür, dass die Grundschule nicht mehr davon ausgehen solle, zu Hause „vorgebildete“ Kinder zu unterrichten, sondern sich noch stärker auf heterogene Lerngruppen einstellen solle. Auch müssten der gewaltlose Umgang mit Konflikten und das in der Schule erwünschte Sozialverhalten dort erst eingeübt werden, damit Kinder, die zu Hause andere Konfliktlösungsmuster gelernt haben, nicht dauernd anecken. Ganztagsschulen böten dazu bessere Gelegenheit als Halbtagsschulen. Auch plädieren die Autoren - und das ist für eine Studie der Adenauer-Stiftung mehr als ungewöhnlich - für längeres gemeinsames Lernen, also für die Grundschule bis zur sechsten Klasse, damit Migrantenkinder mehr Zeit hätten, ihre Defizite auszugleichen. Ideal freilich wäre es, meint Mafaalani, den Erziehungsstil der Eltern in Richtung eines unterstützenden, diskursiven Verhaltens zu ändern - doch dieses Vorhaben hält er für wenig aussichtsreich.

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