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„Synodaler Weg“ : Der Papst gegen die deutschen Bischöfe

Liegt mit den katholischen Bischöfen in Deutschland über Kreuz: Papst Franziskus, hier am Mittwoch im Vatikan. Bild: EPA

Die katholischen Bischöfen in Deutschland und Papst Franziskus stehen vor einem handfesten Konflikt. Es geht um den Umgang mit gleich vier Themen: Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral – und Frauen.

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          Zwischen den katholischen Bischöfen in Deutschland und Papst Franziskus zeichnet sich ein handfester Konflikt ab. Gegenstand ist der sogenannte „Synodale Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz als Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der Kirche im vergangenen März beschlossen hat. Unter diesem Titel wollen die Bischöfe zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das den Laienkatholizismus repräsentiert, vom 1. Advent an zwei Jahre lang Themen bearbeiten, die in der einen oder anderen Weise den Hintergrund des Missbrauchsskandals bilden: Macht in der Kirche, Lebensform der Priester, Sexualmoral sowie Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Als erster intervenierte Ende Juni der Papst selbst. In einem weitschweifigen „Brief an das pilgernde Volk in Deutschland“ gab Franziskus durch die Blume zu verstehen, dass er die Kirche in Deutschland in der Gefahr sieht, sich auf der Suche nach Reformen dem „Zeitgeist“ anzupassen und sich „von der Weltkirche zu trennen“. Auf wessen Veranlassung der Brief geschrieben wurde, ist bis heute Gegenstand von Vermutungen. Fest steht nur, dass der Entwurf von dem Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Luis Ladaria, stammt, die Endfassung aber von Papst Franziskus selbst. Gleichwohl fühlten sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, und der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, ermuntert, den „Synodalen Weg“ weiterzugehen. Für sie gab die Aufmunterung des Papstes den Ausschlag, „freimütig“ nach einer „Antwort auf die gegenwärtige Situation“ zu suchen.

          Ein vernichtendes Ergebnis

          In der vergangenen Woche legte der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, nach. In einem Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, rief Ouellet unverblümt die Mahnungen des Papstes in Erinnerung und warnte die Bischöfe vor Schritten, die nicht in Übereinstimmung (sintonia) mit der Weltkirche stünden. Anlass für diesen Warnschuss war ein erster Entwurf des Statutes für den „Synodalen Weg“, in dem unter anderem Entscheidungsverfahren und Abstimmungsquoren festgelegt worden waren. Der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte, der von der Bischofskongregation eingeschaltet worden war, kam in einem Gutachten über die kirchenrechtliche Zulässigkeit einzelner Regelungen zu einem vernichtenden Ergebnis. Nicht nur drohten die Laien die Bischöfe zu majorisieren. Gemeinsam wollten die Deutschen auch Beschlüsse über Fragen herbeiführen, die nicht in die Kompetenz einer Ortskirche fielen.

          Das Statut, auf das sich die Bedenken bezogen, ist längst weiterentwickelt worden. Inzwischen ist sichergestellt, dass es bei der Abstimmung über besonders sensible Fragen einer qualifizierten Mehrheit der Bischöfe bedarf. An diesem Freitag und Samstag soll das Statut in einem Kreis von etwa 20 Bischöfen und 30 Vertretern des ZdK unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Fulda abschließend beraten werden. Ende September soll dann die Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz ihre Zustimmung geben, Ende November die Vollversammlung des ZdK.

          Gleichfalls an diesem Wochenende sollen die Berichte der vier vorbereitenden Foren zur Sprache kommen: Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral, Frauen. Bis auf das Thema Frauen standen diese schon im März im Mittelpunkt eines Studientages der Bischöfe. Und schon damals zeichnete sich ab, dass eine Mehrheit der Bischöfe in Deutschland den status quo auf allen diesen Feldern für untragbar hält. Auf der Linie dieser Einsicht stand Ende August auch die Abstimmung im Kreis der Ortsbischöfe über das nunmehr neue Statut: In geheimer Abstimmung votierten 21 dafür, drei dagegen, drei enthielten sich. Nun bleibt abzuwarten, ob die Bischöfe sich weiterhin an die päpstliche Aufforderung gebunden sehen, „freimütig“ nach Auswegen aus der Krise der Kirche zu suchen, oder ob sie dem Druck aus Rom nachgeben und den „Synodalen Weg“ mit den Laien beenden, noch ehe er begonnen hat. 

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