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Streit um Familienpolitik : Reiche will mit Kardinal Meisner sprechen

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Ärgernis für die katholische Kirche: Reiche als Familienpolitikerin in Stoibers Team Bild: dpa

Im Konflikt zwischen der katholischen Kirche und der Union über die Familienpolitik will Katherina Reiche nun das Gespräch mit Kardinal Meisner suchen.

          Der Streit zwischen der katholischen Kirche und der Union über die Familienpolitik und das zuständige neue Mitglied im Wahlkampfteam, Katherina Reiche, spitzt sich zu. Nach einem Zeitungsbericht will die Deutsche Bischofskonferenz in einem Hirtenbrief ihre Familienpolitik von jener der Union deutlich abgrenzen. Reiche will den Konflikt nun im Gespräch mit ihrem Hauptkritiker, Kardinal Joachim Meisner, entschärfen.

          Die Berufung der ledigen Mutter als Verantwortliche für Familienpolitik im Wahlkampfteam von Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber hatte den Streit ausgelöst. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte der Union nahe gelegt, den Begriff „Christlich“ aus ihrem Namen zu streichen.

          Bischöfe wollen an „Kernkompetenzen“ erinnern

          Das Thema Familienpolitik soll bei der nächsten Sitzung des Ständigen Rates der Bischofskonferenz am 26. August in Würzburg diskutiert werden, wie die „Welt am Sonntag“ berichtet. Im Generalsekretariat des Erzbischofs von Hamburg wird demnach mit einer deutlichen Klarstellung gerechnet. Prälat Karl Jüsten vom Kommissariat der deutschen Bischöfe in Berlin sagte: „Die Bischöfe werden bei der Formulierung des Hirtenbriefes die Kernkompetenzen der Kirche in Erinnerung rufen. Dazu gehörten vor allem der Schutz des ungeborenen Lebens sowie das Thema Erziehung und Familie.“ Reiche hatte in der Debatte um die Forschung an embryonalen Stammzellen für weitgehende Forschungsfreiheit plädiert.

          Traditionell legt die katholische Kirche in einem Wahl-Hirtenbrief, der zwei Wochen vor der Bundestagswahl in allen Kirchen verlesen wird, ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen dar. Der Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger, wird dem Bericht zufolge von seinem Umfeld mit den Worten zitiert, er sei in großer Sorge um die Entwicklung in der deutschen Christdemokratie.

          Forsa: Irritation führt zu Wahlenthaltung

          Nach Ansicht des Chefs des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, könnte der Konflikt Unionswähler irritieren. Ein Hirtenbrief, der Stoibers Familienpolitik so kurz vor der Wahl kritisiere, könne zur Wahlenthaltung bei besonders christlich orientierten Unionswählern führen, sagte er der Zeitung.
          Reiche kündigte in der „Bild am Sonntag“ an, sie werde den Kontakt zu Kardinal Meisner suchen. „Die CDU und die katholische Kirche müssen ein gedeihliches Miteinander pflegen.“

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