https://www.faz.net/-gpf-u786

Streit über den Zauberlehrling : Harry Potter und der Stein des Anstoßes

Harry Potter: Verführt er die Chemnitzer Schulkinder? Bild: Warner

Verzaubert er die Kinder nur, oder verführt er sie gar mit seiner Magie? An einem Chemnitzer Gymnasium gibt es Streit um die Frage, ob Harry Potter im Unterricht behandelt werden darf. Wie der Zauberlehrling aus der fünften Klasse flog.

          Sieben aufregende, lehrreiche, gefährliche Jahre an einer Internatsschule für Zauberei und Hexenkunst soll Harry James Potter in insgesamt sieben Romanbänden durchleben. Mit Spannung wartet die Millionen zählende Fangemeinde jetzt auf den Abschlussband „Harry Potter and the Deathly Hallows“, der am 21. Juli erscheinen soll. Doch in Chemnitz hat das Schicksal des Zauberlehrlings nun schon vor der Zeit eine unerwartete Wendung erfahren: Potter wurde dort vom Lehrplan der fünften Klasse des Kepler-Gymnasiums genommen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Stephan Lamm, der Leiter des Kepler-Gymnasiums, hat persönlich zwar nichts gegen den Magier in Ausbildung. Aber weil sich zwei Elternpaare in ihren christlichen Gefühlen verletzt sehen, wird der erste Band der Reihe („Harry Potter und der Stein der Weisen“) nicht wie geplant im Unterricht behandelt. Zuvor hatte es laut Lamm während eines Elternabends eine sehr emotionale Diskussion gegeben, in der sich schließlich eine Mehrheit dafür ausgesprochen habe, Potter doch weiterhin im Unterricht zu behandeln. Lamm will dennoch die religiösen Gefühle der Potter-Kritiker respektieren. Er weiß dabei den Lehrplan auf seiner Seite. Darin sind „Märchen- und Zaubergeschichten“ fest verankert, aber Potter ist nur eine von vielen möglichen Leseempfehlungen, wie eine Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums bestätigte.

          Der Papst mag Potter nicht

          Scharfe Kritik an den Potter-Romanen hatte im Jahr 2003 der damalige Kardinal Ratzinger geübt. Der heutige Papst Benedikt XVI. erkannte darin „subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen“. Der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen, Harald Lamprecht, sagte dagegen am Mittwoch, er könne die Aufregung nicht verstehen. „Bei Potter geht es ethisch hochanständig zu.“ Die Phantasie stehe im Vordergrund, und das sei doch „wirklich nicht verwerflich.“

          Den Stein der Weisen glaubt man am Kepler-Gymnasium nun in einem Kompromiss gefunden zu haben: Die fünfte Klasse wird Potter nur noch in Gruppenarbeit behandeln. Kinder, deren Eltern daran Anstoß nehmen, können sich mit einer anderen Lektüre befassen. Sowohl literarisch und naturwissenschaftlich als auch schauspielerisch soll der Stoff dann - welch magische Zahlenfügung - im siebten Schuljahr behandelt werden.

          Weitere Themen

          Grüne triumphieren, SPD einstellig

          Baden-Württemberg : Grüne triumphieren, SPD einstellig

          In Baden-Württemberg sind die Grünen weiter auf Erfolgskurs. Die SPD wird deklassiert, die CDU fährt ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Und die AfD bleibt unter ihren Erwartungen.

          Bremer SPD nach Wahldebakel zerknirscht Video-Seite öffnen

          Historische Niederlage für SPD : Bremer SPD nach Wahldebakel zerknirscht

          Die SPD hat Prognosen zufolge ihre jahrzehntelange Vorherrschaft in Bremen an die CDU verloren. Bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag wurden die Christdemokraten zum ersten Mal in der Geschichte des Bundeslands stärkste Kraft, wie Prognosen zeigten.

          Untergang an der Weser

          SPD-Debakel in Bremen : Untergang an der Weser

          In Bremen ist das Historische geschehen: Zum ersten Mal seit 73 Jahren liegt die CDU vor der SPD, die ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik verkraften muss. Wie soll sie aus diesem Tief wieder herauskommen?

          Topmeldungen

          Trauer und Jubel in Berlin : Den Grünen gehen die Superlative aus

          Während bei den Grünen die Freude über die Wahlergebnisse in Europa und in Bremen „wahnwitzig“ groß ist, ist die Stimmung bei der Union schon vor der Verkündung der Prognosen auf dem Tiefpunkt. Und bei der SPD wackelt die Parteichefin nach dem Doppeltiefschlag.

          SPD-Debakel in Bremen : Untergang an der Weser

          In Bremen ist das Historische geschehen: Zum ersten Mal seit 73 Jahren liegt die CDU vor der SPD, die ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik verkraften muss. Wie soll sie aus diesem Tief wieder herauskommen?

          Nach SPD-Debakel : Lauterbach für Rot-Rot-Grün in Bremen und im Bund

          Die SPD hat ein historisches Wahldebakel erlitten. Trotzdem sei nicht die Zeit für Personaldebatten um Nahles, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach. Dafür fordert er mehr Umweltbewusstsein in seiner Partei – und Mut zu neuen Bündnissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.