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Wittenberg : Wahlsieger Luther

  • -Aktualisiert am

Bild: Bernd Helfert

In Wittenberg, dem Ursprungsort des protestantischen Glaubens, stand bei der Wahl zum Oberbürgermeister auch ein Kandidat der Linkspartei, ein früherer SED-Funktionär, zur Wahl. Seine Kirchenferne hatte er im Wahlkampf eingesetzt. Er schaffte es nicht in die Stichwahl.

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          In 100 Gemeinden Sachsen-Anhalts haben die Bürger am Sonntag ihren Bürgermeister gewählt. In Wittenberg, dem Ursprungsort des protestantischen Glaubens, war die Entscheidung zwischen drei Kandidaten eng. Erstmals seit der Wende hatte dort ein Politiker Chancen, Oberbürgermeister zu werden, der vor 1990 als Kommunist an hervorgehobener Stelle stand und danach ungebrochen die jeweiligen Nachfolgeparteien vertrat.

          Der Kandidat der Linkspartei, Horst Dübner, war bis 1989 Kreissekretär der SED, also der höchste Vertreter des alten Regimes am Ort. Seinen Wahlkampf gegen die kirchlich engagierten Bewerber aus SPD und CDU führte er nicht ungeschickt: Vier Fünftel der Bevölkerung sei kirchlich nicht gebunden - wer kümmere sich denn um sie in einem Ort, in dem sich alles um den Kirchentourismus drehe. Mit 22,2 Prozent der Stimmen verfehlte er aber knapp die Stichwahl.

          Nicht nur Bürger und Landespolitiker - Ministerpräsident Böhmer und Wirtschaftsminister Haseloff (beide CDU) sind Wittenberger - zeigten sich besorgt, sondern vor allem die evangelische Kirche.

          Zu Luthers Zeiten war Wittenberg die meistbesuchte Universität Deutschlands und die wichtigste deutsche Verlagsstadt - ein Kulturwissenschaftler nannte sie am Wochenende bei den „Wittenberger Gesprächen“ die „Welthauptstadt der Kreativität“ im 16. Jahrhundert.

          Von diesem Glanz zehrt sie bis heute. Überall werden Straßenpflaster und Fassaden erneuert. Selbst das Nachtleben kann sich messen mit weitaus größeren Orten. Wittenberg begeht viele Kirchen- und Stadtfeiern, die mit Luther zu tun haben, auch schon vor der Eröffnung der „Lutherdekade“ im September, zu der Lutheraner aus aller Welt, vor allem aus Nordeuropa und Nordamerika, erwartet werden. Sieben Jahre lang hätte dann ein Oberbürgermeister Grußworte sprechen müssen, der aus seiner Kirchenferne keinen Hehl macht.

          Die EKD ist froh, nicht auch noch diesen Stachel im Fleisch der Kirchen zu haben, nachdem sie in Mitteldeutschland genug zu tun hat mit der Kirchenferne der Bevölkerung und der Fusion der Kirchen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen.

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