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Tübingen : Hauptstadt der Lohas

Bild: Ivan Steiger

Tübingen ist angeblich die Hauptstadt der „Lohas“ in Deutschland. Das Wort steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“. Also für gesund und nachhaltig. Und für Boris Palmer, den grünen Oberbürgermeister.

          1 Min.

          Das Zentrum des „moralischen Hedonismus“, der ökologisch korrekten Bessermenschen, liegt in Württemberg: Die Universitätsstadt Tübingen ist angeblich die Hauptstadt der „Lohas“. Das hat ein Umfrageinstitut herausgefunden: 27 Prozent aller in Tübingen lebenden Bürger sind „Lohas“ (im nationalen Durchschnitt sind es in Deutschland nur 20 Prozent).

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Lohas? Das sind Menschen, die einen „Lifestyle of Health and Sustainability“ pflegen und zuerst von amerikanischen Soziologen in der dortigen Mittelschicht entdeckt wurden. Ihre wichtigsten und zuweilen ersatzreligiösen Werte sind „Gesundheit und Nachhaltigkeit“. Lohas schreiben auf regional produziertem, handgeschöpftem Ökopapier. Sie kaufen im Ökosupermarkt und fahren, wenn überhaupt, ein schadstoffarmes Auto.

          Die Lohas (und die Umfrage) fest im Blick, hat sich der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer für seine pietistisch geprägten Tübinger eine Umweltwerbekampagne mit dem Titel „Tübingen macht blau“ ausgedacht. Der grüne Politiker hat alle Autohäuser der Stadt dazu gebracht, Neuwagen mit dem „Tübinger Klimapass“ auszuzeichnen, in dem der Kohlendioxid-Ausstoß des Fahrzeugs angegeben ist. Bis 2010 will Palmer den Kohlendioxid-Ausstoß in Tübingen um zehn Prozent reduzieren; für das Rathaus ließ er abschaltbare Mehrfachstecker und Energiesparlampen kaufen.

          Schon als Landtagsabgeordneter produzierte Palmer als Fachmann für Verkehrspolitik und politische (Eigen-)Werbung bei seinen Gegnern vielfältige Neidgefühle. Nun dürfte er wohl der erste direkt gewählte Oberbürgermeister Baden-Württembergs sein, der seine Wähler mit einem permanenten Bürgermeisterwahlkampf bei Laune hält. Auch am 1. Mai trat Palmer vor die Wähler. Auf den Plakaten soll „Kräuterlimonade für alle“ zu lesen gewesen sein.

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