https://www.faz.net/-gpf-1576d

Trier : War Marx zu marxistisch?

Bild: dpa

Ist es statthaft für einen Asta, mit Karl Marx zu werben?

          1 Min.

          Unter Touristen und ausländischen Studenten sind die T-Shirts und Kaffeetassen mit dem Konterfei des berühmtesten Sohnes der Stadt, Karl Marx, ein Renner. Schon seit Jahren vermarktet der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität Trier den Philosophen als Merchandising-Produkt, um den Mehrwert zum Wohle der Studenten abzuschöpfen. Als Logo hat sich der von einer linken Mehrheit aus Grünen und Jusos im Studentenparlament gewählte Asta auf Briefköpfen, Pressemitteilungen und seiner Homepage den vollbärtigen Marx als Namensgeber der Universität angeeignet. Selbst vielen Einwohnern Triers erscheint es normal, dass der 1818 in der ältesten deutschen Stadt Geborene der Universität mit seinem Namen zu größerer Reputation verhelfen soll. Die Junge Union (JU) in der Stadt indes hält die Verwendung des Schriftzuges „Karl-Marx-Universität“ in Verbindung mit dem Porträt des Philosophen für „unverständlich wie inakzeptabel“.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          In einem offenen Brief an den Präsidenten der Universität, Peter Schwenkmezger, forderte die Nachwuchsorganisation der CDU, dem „Vorgehen“ des Astas entgegenzuwirken. Der JU-Kreisvorsitzende Dirk Louy und sein Stellvertreter Stefan Brüggemann nennen es zwar „unumstritten“, dass Marx einer der „bedeutendsten Wissenschaftler des vorvergangenen Jahrhunderts war und ist“. Dennoch stelle sich der Asta mit dem Namen Karl Marx „freiwillig in die Tradition einer undemokratischen Diktatur“. Denn der Name erinnere an die Universität Leipzig, die 1953 vom SED-Regime in der DDR nach der Auflösung des Studentenrates und der Verhaftung seiner Mitglieder in „Karl-Marx-Universität“ umbenannt wurde.

          Die Argumentation der JU hält der Asta für nicht stichhaltig, wie er in einem ebenfalls offenen fünfseitigen Brief darlegt: „Eine Gleichsetzung von Marx und Marxismus oder gar unter diesem Label begangenen Verbrechen ist schlichtweg unkorrekt. (...) Die Ideologien, die Verbrechen zu verantworten haben, waren Verengungen und Umdeutungen der Gedanken Marxens. (...) Insofern sehen wir keinen Grund, warum die Namenswahl paradox erscheinen sollte.“ Nun wartet Trier auf die Antwort des Universitätspräsidenten, der am Freitag aus dem Urlaub zurückgekehrt ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.