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Speyer : Synagoge statt St. Guido

Bild: Bernd Helfert

Speyer bekommt wieder eine Synagoge. Sie entsteht auf dem Gelände der seit mehr als zehn Jahren nicht mehr genutzten katholischen Kirche Sankt Guido, die zum Teil abgerissen werden soll.

          Für die Geschichte und Kultur des westeuropäischen Judentums sind diese drei Städte am Rhein von prägender Bedeutung: Mainz, Worms und Speyer - als „rheinisches Jerusalem“ wurden sie im Mittelalter wegen der geistigen Ausstrahlung der dort blühenden jüdischen Gemeinden gerühmt.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Die Nationalsozialisten zerstörten in der Pogromnacht des 9. November 1938 auch in diesen Städten die jüdischen Gotteshäuser. In Worms wurde die niedergebrannte Synagoge nach Kriegsende rekonstruiert und 1961 neu geweiht, in Mainz soll am 9. November der erste Spatenstich für eine neue Hauptsynagoge an alter Stelle gesetzt werden.

          Und auch Speyer erhält nun wieder eine Synagoge. Nachdem zuvor schon die rheinland-pfälzische Landesregierung den Finanzierungsplan für Synagoge und jüdisches Gemeindezentrum beschlossen hatte, stimmte auch der Stadtrat der südpfälzischen Kaiserstadt am Dienstagabend einstimmig dem Vorhaben zu.

          2,5 Millionen Euro soll der Bau kosten. Davon übernimmt die rund 560 Mitglieder zählende jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz 750 000 Euro, während sich das Land mit 875 000 Euro beteiligt. Die Stadt Speyer steuert ebenfalls 875 000 Euro bei.

          Die mächtige Ostwand der ersten, nur Männern vorbehaltenen Synagoge und das vollständig erhaltene unterirdische Frauenbad - Mikwe - wurden schon vor längerem als Zeugnis mittelalterlicher jüdischer Kultur sorgfältig restauriert. 1104 wurde diese erste Synagoge von Speyer geweiht. 20 Jahre zuvor hatte Speyers Bischof Rüdiger aus Mainz und Worms vertriebene Juden in seiner Stadt aufgenommen, um die „Ehre des Ortes um ein Vielfaches zu vermehren“.

          Nach den Pestpogromen 1349 war es mit dem friedlichen Zusammenleben von Christen und Juden in Speyer und andernorts vorbei. Und mit der Zerstörung Speyers durch französische Truppen 1689 ging auch das schon längst entweihte jüdische Gotteshaus in Flammen auf.

          Der Neubau der Synagoge entsteht nun allerdings nicht an jüdisch-historischem Ort, sondern auf dem Gelände der seit mehr als zehn Jahren nicht mehr genutzten katholischen Kirche Sankt Guido, die zum Teil abgerissen werden soll.

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