https://www.faz.net/-gpf-10di1

Probstzella : Kein Geld für dunkle Geschichte

  • -Aktualisiert am

Bild: Bernd Helfert

Eine frühere Grenzübergangsstelle in die DDR soll abgerissen werden. Dagegen regt sich Widerstand. Der Bürgermeister des Grenzorts sagt, es fehle das Geld zum Unterhalt.

          1 Min.

          Bedrohlich ragt die verwahrloste Grenzübergangsstelle (GÜSt) an der Bahnlinie München-Berlin im thüringischen Probstzella auf. Der Betonkubus aus den siebziger Jahren fügt sich weder in die Landschaft noch in die Architektur des Dorfes mit seinen 1500 Einwohnern an der Grenze zu Bayern.

          Die GÜSt war über Jahrzehnte ein Ort der Einschüchterung und der Demütigung. Hier demonstrierte der SED-Staat seine Macht: Rollte ein Zug ein, umstellten ihn bewaffnete Einheiten. Hunde schnüffelten in den Waggons nach Hinweisen auf Republikflüchtlinge. Die Kontrolleure trugen Uniformen der Grenztruppen, waren aber Mitarbeiter der Staatssicherheit.

          Die Gemeinde ist des Schandflecks überdrüssig. Sie ersteigerte den Bau für 3500 Euro vom Bund, um ihn abzureißen. Mit eigenen Mitteln, aber auch mit Geld der EU und des Freistaats kamen dafür 144 000 Euro zusammen.

          Gegen den Abriss regt sich Widerstand. Roman Grafe, der das Buch "Die Grenze durch Deutschland" schrieb und sich als Dokumentarfilmer mit der deutsch-deutschen Geschichte befasste, schlägt einen Teilerhalt der GÜSt vor. Für den Erhalt wirbt auch Karin Gueffroy, die Mutter des letzten an der Mauer erschossenen Flüchtlings: „Es ist nicht zu fassen. Die reißen die ganze DDR-Vergangenheit ab. Und später versuchen sie es wieder aufzubauen, wie jetzt in Berlin an der Mauergedenkstätte. Aber das ist nicht authentisch.“

          Auch der Schriftsteller Erich Loest, Hildigund Neubert, die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen, oder die Autorin und Regisseurin Freya Klier fordern den Erhalt der GÜSt.

          Doch die Appelle dürften ungehört verhallen. An diesem Donnerstag, erwartet Bürgermeister Marko Wolfram (SPD), dürfte der Gemeinderat mit den Stimmen aller Mitglieder den Abriss beschließen. Auch Wolfram bedauert den unabwendbar erscheinenden Beschluss, denn „historisch wäre der Erhalt des gruseligen Ortes, wo man noch die Luft der DDR atmet, eine interessante Sache“, aber die Mittel seien zweckgebunden, die Abrissfirma komme am Montag, und für den Erhalt der GÜSthabe die Gemeinde kein Geld.

          Weitere Themen

          Italiens Regierungschef Conte zurückgetreten Video-Seite öffnen

          Zersplitterte Koalition : Italiens Regierungschef Conte zurückgetreten

          Italiens Regierungschef Giuseppe Conte ist zurückgetreten. Staatschef Sergio Mattarella nahm das Rücktrittsgesuch an. Der parteilose Conte will eine neue Regierung bilden, nachdem seine Mitte-Links-Koalition kürzlich auseinanderfiel.

          Topmeldungen

          Hans-Georg Maaßen im Oktober 2020 in Berlin

          AfD-Klage : Maaßen will Schaden von Verfahren abwenden

          Nach mehr als einem Jahr fällt der Kanzlei Höcker ein möglicher Interessenkonflikt ihres Beraters Hans-Georg Maaßen auf. Es geht um die Vertretung der AfD. Der frühere Verfassungsschutzpräsident zieht sich zurück.

          Premier League : „Visionär“ Tuchel wird neuer Chelsea-Coach

          Nun kommt also Thomas Tuchel. Nach der Trennung vom glücklosen Fanliebling Frank Lampard will der FC Chelsea mit dem früheren Coach des BVB und von PSG schnell wieder erfolgreich sein. Die Erwartungen an den Taktiktüftler aus Deutschland sind hoch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.