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Offenburg : Wir sind Bambi!

Harald Schmidt überreicht Hape Kerkeling 2007 den Bambi Bild: dpa

Die Bambi-Verleihung findet in diesem Jahr in Offenburg statt. Auch die Politik will sich im Goldglanz des Rehkitzes sonnen. Dass gerade Offenburg Schauplatz der 60. Bambi-Verleihung ist, hat die Stadt nur Hubert Burda zu verdanken, der den Preis bezahlt und dessen Unternehmen dort seinen Sitz hat.

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          Als Bambi noch ein weißes Porzellan-Rehkitz aus der Karlsruher Majolika-Manufaktur war, hießen die Kassenschlager in den Kinos „Die Mühle im Schwarzwälder Tal“ oder „Schwarzwaldmädel“. Seit 1958 werden die Bambis aus Bronze gegossen und mit Gold überzogen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Mittlerweile sind sie poliert, sodass sich die Welt der Schönen und Wilden darin spiegelt. Die Stars und Bambi-Preisträger heißen heute auch nicht mehr Heinz Rühmann oder Marika Rökk, deren Tochter das Medienrehkitz angeblich Bambi taufte, sondern Meg Ryan und Keanu Reeves.

          Jeder möchte am Bambi-Glanz teilhaben

          Je glitzernder aber die Bambis wurden, desto stärker wuchs das Bedürfnis der Politiker, von diesem Glanz etwas abzubekommen: Der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger (CDU) will auf der Bambi-Verleihung, die in diesem Jahr in Offenburg stattfindet, sogar als Laudator auftreten. Der Oberrhein sei eine „Medien- und Entertainment-Region“ von europäischem Rang, jubelte er.

          Verglichen mit der inszenierten Begeisterung, die im Rathaus der als langweilig geltenden Stadt Offenburg organisiert wird, mutet Oettingers Stellungnahme fast bescheiden an. „Wir sind Bambi“, ist an vielen Offenburger Brücken zu lesen. Hunderte von „Deko-Bambis“ ließ man schon Wochen vor der Verleihung an diesem Donnerstag aufstellen.

          Warum Offenburg? Hubert Burda hat hier seinen Sitz

          „Die Bambi-Verleihung fand bisher in der Regel nur in Großstädten statt. Nun dürfen die Menschen erleben, dass auch eine mittelgroße Stadt bereit ist für ein solch glamouröses Event“, sagt die Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU).

          1987 ist der Bambi schon einmal in Offenburg verliehen worden. Dass das zum 60. Verleihungsjubiläum wiederholt wird, hat die Stadt nur Hubert Burda zu verdanken, der den Preis bezahlt und dessen Unternehmen dort seinen Sitz hat. Warum die baden-württembergische Landesregierung die Gala, eine Privatveranstaltung, mit 200 000 Euro sponsert, bleibt ihr Geheimnis. Angeblich ist der erzielte Werbeeffekt für den Südwesten um ein Mehrfaches höher - die Politisierung des Bambis hat ihren Preis.

          Trost kann da nur Harald Schmidt spenden: Er moderiert die Gala und äußerte, befragt zu Offenburg, die Hoffnung, dort viele ältere Bambi-Preisträger zu treffen, die sich heute in der Geisterbahn eines nahen Freizeitparks ein Zubrot verdienen.

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