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München : Mann ist Mann

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Auch das ein Bayer Bild: dpa

Hat Bertolt Brecht ein nach bayerischen Maßstäben vorbildlicheres Leben geführt als Franz Josef Strauß? Zumindest in die Ruhmeshalle an der Münchner Theresienwiese hat er es nun geschafft.

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          Hohe Zeit ist es am Donnerstag in Bayern für einen ontologischen Schreckensruf im landesüblichen Idiom gewesen: „Wo samma denn?“ Die einstige Staatspartei CSU führte die Debatte, ob ihr früherer Vorsitzender Franz Josef Strauß als Vorbild taugt, munter weiter. Das Leitmedium des Landes, der Bayerische Rundfunk, nahm sich in einer fast eine Stunde währenden Sendung des Da- und Soseins des Bayernheros an - unter einem Titel, der in früheren Zeiten zu mehrtägigen Sondersitzungen des Rundfunkrats geführt hätte: „A Hund war er scho.“

          Doch damit nicht genug: Bertolt Brecht zog am Donnerstag in die Ruhmeshalle an der Münchner Theresienwiese ein - in den Ehrentempel, den Ludwig I. für bayerische Persönlichkeiten errichten ließ, die sich um das Land verdient gemacht haben. Brechts Büste rückte in der von Leo von Klenze entworfenen dreiflügeligen Säulenhalle neben die anderen großen Bayern, derer dort gedacht wird. Es ist eine illustre Gesellschaft, darunter auch Persönlichkeiten wie die Heerführer Graf Tilly und Fürst Wrede, deren Nähe der Augsburger Bürgersohn Brecht zu Lebzeiten vielleicht nicht unbedingt gesucht hätte. Auf den Nachruhm, zumindest fremden, hatte Brecht ohnehin seine eigene Sicht.

          „Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?“ - diese Frage eines lesenden Arbeiters in Brechts Svendborger Gedichten gilt allerdings in Ruhmeshallen als unschicklich, genauso wie kleinteilige Betrachtungen ideologischer Verblendungen großer Männer und Frauen. Selbstverständlich spürte die Bayerische Staatsregierung am Donnerstag nicht Brechts Wegen auf den verschlungenen Pfaden des Kommunismus nach, sondern feierte ihn als Erneuerer der Bühnenkunst und großen Lyriker.

          Weniger gut erging es Franz Josef Strauß; manche Diskutanten im Bayerischen Rundfunk konnten sich gar nicht beruhigen, dass er sich nicht immer den Enthaltsamkeitsgelübden katholischer Orden verpflichtet gefühlt hatte. Über kurz oder lang dürfte er solchen posthumen Mäkeleien aber enthoben sein; seine Partei hat schon einen Vorstoß unternommen, ihn mit einer Büste in der Walhalla bei Regensburg zu ehren; und auch in der Münchner Ruhmeshalle sollte sich neben Brecht ein „Platzerl“ für Strauß finden lassen.

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