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Morgenröthe-Rautenkranz : Postsozialistische All-Einheit

DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn Bild: dpa

Vor 30 Jahren brach der erste Deutsche ins All auf - für die DDR. Noch heute sonnt sich sein Heimatort gerne in seinem Glanz.

          Das in der Kammregion des vogtländischen Erzgebirges gelegene Morgenröthe-Rautenkranz hat zwar nur 830 Einwohner. Doch mit dem Ort ist manch Erstaunliches verbunden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In der Wettervorhersage der ARD etwa fällt Morgenröthe-Rautenkranz regelmäßig durch extreme Differenzen zwischen den Nacht- und den Tagestemperaturen auf. Hinzu kommt, dass aus dem Ortsteil Morgenröthe Carl Friedrich Zimmermann, der Erfinder der deutschen Konzertina, stammt. Weltberühmt aber wurde Morgenröthe-Rautenkranz durch den gebürtigen Rautenkränzer Sigmund Jähn, den ersten Deutschen im All.

          Vor 30 Jahren, am 26. August 1978, startete der NVA-Offizier vom Weltraumbahnhof Baikonur in einer sowjetischen Sojus-Kapsel zur Raumstation Saljut 6. Im All angekommen, dankte Jähn brav dem Zentralkomitee der SED und widmete den Flug dem 30. Jahrestag der Gründung der DDR, „meinem sozialistischen Vaterland“.

          In ausführlichen Live-Schaltungen informierte das DDR-Fernsehen über das Ereignis. So richtig überschlug sich die Propagandamaschinerie des „Arbeiter- und-Bauern-Staates“ aber erst nach Jähns Wiedereintritt in den real existierenden irdischen Sozialismus am 3. September 1978.

          In Morgenröthe-Rautenkranz eröffnete 1979 eine Raumfahrtausstellung. Seit der Neugestaltung des Hauses im März 2007 kamen 80 000 Besucher in die abgelegene Kommune. Regelmäßig finden „Raumfahrttage“ statt, zu denen auch Raumfahrer wie Thomas Reiter oder Ulf Merbold und natürlich auch Jähn kommen.

          Eigentlich wollte der mittlerweile 71 Jahre alte Sigmund Jähn am 30. Jahrestag seine Ruhe haben. Doch weil alte Freunde und Kollegen im Vogtland eine Feier organisierten, ist er an diesem Dienstag doch in Morgenröthe-Rautenkranz. In der Raumfahrtausstellung erwartete ihn als neue Attraktion ein Gerät, mit dem die Annäherung und Verbindung russischer Raumflugkörper simuliert werden kann.

          Ein Exponat konnte der rührige Bürgermeister Konrad Stahl (CDU) allerdings nicht organisieren: Die Landekapsel, mit der Jähn vor 30 Jahren ziemlich unsanft aufschlug, soll im Militärhistorischen Museum in Dresden bleiben.

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