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Miltenberg : Die Macht der Kirchenglocken

Ulrich Boom Bild: dpa

Pfarrer Ulrich Boom wurde bekannt, als er am 22. Juli 2006 die Glocken der Miltenberger Jakobuskirche läutete, um eine Kundgebung der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ zu stören. Jetzt wird er Weihbischof des Bistums Würzburg.

          Zwanzig Minuten haben gereicht. So lange ließ Pfarrer Ulrich Boom am 22. Juli 2006 die Glocken der Miltenberger Jakobuskirche läuten, dann hatten die zu einer Kundgebung versammelten Mitglieder der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ genug und brachen ihren Aufmarsch ab. Gerne hätten sie genau jene öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, die dem Gemeindeseelsorger hernach zuteil wurde.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Sein couragierter Griff zur Glocke war so wortarm wie wirkmächtig. Er katapultierte Boom bundesweit in die Schlagzeilen. Viele lobten seinen spontanen Protest - die NPD erstattete hingegen Anzeige wegen Störung einer genehmigten Veranstaltung. Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermittelte daraufhin, das Verfahren wurde jedoch (nach zahlreichen öffentlichen Protesten) eingestellt. Boom blieb sogar eine Geldbuße erspart. Vielmehr erhielt der Seelsorger am 25. November 2006 den Aschaffenburger „Mutig-Preis“.

          Sein Ansehen ist geblieben. Als „Don Camillo vom Untermain“ wird Boom zuweilen bezeichnet, mit der Begründung, er sorge sich genauso wie der fiktive italienische Priester nicht nur um das Seelenheil, sondern kümmere sich ebenso einfallsreich auch um politisch-weltliche Belange. Das ist auch Booms Vorgesetzten in Würzburg und Rom aufgefallen. Aber nicht nur deshalb ist er auf der klerikalen Karriereleiter am Wochenende eine Stufe weiter nach oben gestiegen, als Papst Benedikt XVI. ihn zum Weihbischof des Bistums Würzburg ernannte.

          Boom gehört seit 1996 dem Vorstand des Deutschen Katecheten-Vereins an und ist seit 2003 stellvertretender Vorsitzender. Außerdem ist der gebürtige Münsterländer, der neben Theologie auch noch Kunstgeschichte studierte, Mitglied der Kunstkommission der Diözese Würzburg.

          Mit seiner Ernennung beginnt für Boom ein neuer Berufsabschnitt in einem Alter, in dem sich weltlich Beschäftigte oft schon mit dem Thema Ruhestand befassen. 61 Jahre ist er alt, hat aber trotzdem noch genug Zeit zu gestalten, wenn er am 25. Januar 2009 geweiht wird. Im Amt bleiben Weihbischöfe, so sie nicht weiter befördert werden, bis zu ihrem 75. Lebensjahr - das Alter, in dem auch Booms Vorgänger Helmut Bauer ausgeschieden ist.

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