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Meseberg : Politik mit Stallgeruch

  • -Aktualisiert am

Zu aromatisch? Bild: ZB

Die Bundesregierung beherbergt hohe Besucher hin und wieder im brandenburgischen Schloss Meseberg. Im Mai nun soll in dem Ort mit einer Schweinemast begonnen werden, was insbesondere den Schlossherren stinkt. Sie fürchten um die Nasen der Politiker.

          Wer einmal in der Nähe eines Schweinemasthofs gewohnt hat, weiß, dass der Mensch in der Lage ist, sich an die sonderbarste Luft zu gewöhnen. Nach ein paar Monaten bemerkt man den Gestank nicht mehr, das Gehirn blendet offenbar einen Teil der Signale aus, die ihm die Nase meldet.

          Besuche von Staatsgästen dauern nie mehrere Monate, sondern meist ein, zwei Tage. Zu kurz, um sich an Stallgeruch zu gewöhnen. Die Bundesregierung beherbergt hohe Besucher hin und wieder im brandenburgischen Schloss Meseberg, im vergangenen Jahr etwa den damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Die Luft war gut, Bush atmete freier als im nahen Berlin.

          Im Mai jedoch sollen in Meseberg Schweine Einzug halten. Zwar nur in eine kleine Mastanstalt für weniger als 2000 Tiere, doch nur einen Kilometer vom Schloss entfernt. Dessen Eigentümerin, die Messerschmitt-Stiftung, ist pikiert. Ihr Vorstandsvorsitzender Hans Heinrich von Srbik wurde mit den Worten zitiert, schon im vergangenen Jahr seien 300 Schweine probeweise eingestallt worden: „Der ganze Ort war voller schwarzer Fliegen, und es stank.“ Es gebe im Land Tausende leerstehende Ställe. Die Stiftung hätte gar nicht erst 25 Millionen Euro investiert, wenn sie von dem Plan geahnt hätte. Und man solle sich einmal vorstellen, ein muslimischer Staatsgast werde empfangen, für den müsse der "Geruch der blanke Hohn" sein, sagte Srbik dem „Oranienburger Generalanzeiger“.

          Die Agrargenossenschaft, die den Mast-Stall betreiben will, verteidigte ihr Vorhaben mit dem Hinweis, der Wind wehe „meist“ jeglichen Gestank vom Schloss weg. Torsten Krause, Landtagsabgeordneter der Linkspartei, stellte sich auf die Seite der Agrarier: „Man kann nicht ein Schloss auf dem Land restaurieren, es an die Bundesregierung übergeben und dann von der einheimischen Bevölkerung erwarten, dass sie mit Rücksicht auf Frau Merkel und Co. alle Aktivitäten einstellt, die einen daran erinnern könnten, dass man nicht in Berlin ist.“ Im vergangenen Sommer war das Dorf in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein Mann bei dem Versuch, ein Hornissennest im Dachboden seines Hauses auszuräuchern, versehentlich das Haus in Brand setzte.

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