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Lübtheen : Eine Stadt will nicht braun sein

Bild: Bernd Helfert

Das mecklenburgische Lübtheen ist auch durch Zufälle in den Ruf gekommen, „braun“ zu sein. Die Kleinstadt mit ihren 4900 Einwohnern versucht sich dagegen zu wehren - was nicht immer gelingt.

          Aus dem Juweliergeschäft von Udo Pastörs wurde seit dem Einzug der NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ein „Bürgerbüro“ der Partei. Es liegt mitten im Ort. Die Tür steht weit offen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Lübtheener Pastörs ist der Fraktionsvorsitzende in Schwerin. 16 Prozent der Lübtheener haben bei der Landtagswahl 2006 die NPD gewählt. Zur Kommunalwahl im nächsten Jahr will die Partei in die Stadtvertretung einziehen.

          Das alles hat der mecklenburgischen Kleinstadt mit ihren 4900 Einwohnern den Ruf eingebracht, „braun“ zu sein. Dabei ist Lübtheen nur durch Zufall zu einem Zentrum für die NPD geworden - wegen der Abgeschiedenheit, wegen der niedrigen Immobilienpreise und der Nähe zu Schwerin. Lübtheen kämpft um seinen Ruf. Bürgermeisterin Ute Lindenau (SPD) ist für die NPD zum Feindbild geworden.

          Als im vergangenen Herbst Lübtheen ein Demokratiefest organisierte, das eigentlich gegen die NPD gerichtet war, kamen die NPD-Funktionäre mit ihren Familien und deckten, als es zu regnen begann, mit mitgebrachten Planen sorgfältig den Kuchen ab. Immerhin haben es die Gegner eines - derzeit nur geprüften - Braunkohleabbaus in Lübtheen geschafft, Pastörs, der das Thema für die NPD besetzen wollte, zur unliebsamen Person zu erklären. Und der Sportverein „Concordia“, in dem auch die Kinder von NPD-Leuten mitmachen, achtet auf die Auswahl der Übungsleiter und verhindert einen größeren Einfluss der Eltern.

          Gerade haben elf Schüler der Regionalschule zusammen mit einer Journalistin ein kleines Heft über ihren Heimatort geschrieben. Darin erzählen sie nicht nur, was ihnen an dem Ort gefällt und wie sie ihn sich in der Zukunft vorstellen (“Concordia“ in der ersten Liga!). Sie befragen die Lübtheener auch nach ihrem Verhältnis zur NPD. Mehr als Antworten wie diese gibt es freilich nicht: „Ich finde es schlecht, dass die NPD gewählt wurde, die Inhalte der Partei versprechen nichts Gutes.“

          Was hat die Arbeit den Schülern gebracht? Sie seien jetzt, sagten sie bei der Vorstellung des Heftes, sicherer geworden und würden ohne Angst ihre Meinung vertreten. Aber haben sie dazu auch Gelegenheit? Nein, erzählten sie, die Schüler, die zur NPD-Szene gezählt würden, wichen dem Gespräch aus.

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