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Leipzig : Honoris causa

Dr. h.c. Angela Merkel Bild: REUTERS

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Leipzig Physik studiert und sich als Bardame in der Kellerbar des Studentenwohnheims mit ihrem Kirschwhisky einen legendären Ruf erworben. Jetzt hat sie an ihrer früheren Universität die Ehrendoktorwürde verliehen bekommen.

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          So ein Studium der Physik ist manchmal eine ziemliche Zumutung. Über viele Stunden Übungsaufgaben lösen, Analysisklausuren schreiben, die eigenen physikalischen Versuchsanordnungen durchbekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestand deshalb am Dienstag in Leipzig auch, ihr sei das Studium, das sie 1973 begonnen hatte, manchmal schwergefallen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Aber gerade deshalb sei sie sich „sehr sicher“, in Leipzig „eine sehr gute fachliche Ausbildung erhalten zu haben“. 30 Jahre nach ihrem Abschluss bekam Frau Merkel nun von der Fakultät für Physik und Geowissenschaften der Universität Leipzig die Ehrendoktorwürde.

          Frau Merkel werde vor allem auch für die Art ausgezeichnet, wie sie ihre Arbeit mache, sagte Dekan Tilmann Butz. In den Medien werde ihr oft das Attribut „Physikerin“ verliehen. Dies unterstreiche die naturwissenschaftliche Arbeitsweise der Bundeskanzlerin. Dazu gehörten das sorgfältige Recherchieren der Ausgangslage und der Randbedingungen, die Kenntnis der Strukturen, Besonnenheit und Unaufgeregtheit sowie ein beharrliches Verfolgen der Ziele. „Diese Prägung haben Sie in den Jahren Ihres Studiums der Physik an der damaligen Karl-Marx-Universität erfahren.“

          Zwar trägt die Bundeskanzlerin schon einen Ehrendoktorhut - von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Doch von der Hochschule ausgezeichnet zu werden, an der man studiert hat, sei ein bewegendes Ereignis. „Es war eine schöne Zeit“, sagte Frau Merkel am Dienstag und dachte dabei vielleicht auch an das süße Studentenleben: Damals, als sie half, die Leipziger Moritzbastei wiederaufzubauen und zum Studentenclub herzurichten. Oder als sie mit Kommilitonen im Physikhörsaal Disco machte und ein Quote für „Ostmusik“ von 60 Prozent galt, der man genügte, indem man Osttitel nur anspielte und Westtitel bis zum Ende laufen ließ. Oder als sie sich als Bardame in der Kellerbar des Studentenwohnheims mit ihrem Kirschwhisky einen legendären Ruf erwarb.

          Die Zutaten musste sich die angehende Physikerin unter den denkbar schwierigsten realsozialistischen Bedingungen organisieren. Die hochprozentige Eigenkreation verkaufte sie dann nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft mit Gewinn.

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