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Heidelberg : Einander nicht grün

Memet Kilic Bild: dpa

Die Heidelberger Grünen sind zerstritten und haben sich in zwei Gruppierungen gespalten. Eine heißt „Grün-Alternative Liste“, die andere „Bündnis 90/Die Grünen“. Alle Versuche, mit einer gemeinsamen Liste zu den Kommunalwahlen anzutreten, sind gescheitert.

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          Verglichen mit anderen baden-württembergischen Universitätsstädten sind die Grünen in Heidelberg schwach auf der Brust. In Freiburg etwa ist die grüne Fraktion genauso stark wie die der CDU. Davon sind die Grünen in dem einerseits sozialdemokratisch, andererseits klassisch-bürgerlich geprägten Heidelberg weit entfernt.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das dürfte auch bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr so bleiben, denn auf absehbare Zeit wird es wohl zwei grüne Fraktionen im Gemeinderat geben. Die eine heißt „Grün-Alternative Liste“, die andere „Bündnis 90/Die Grünen“. Alle Versuche, mit einer gemeinsamen Liste anzutreten, sind gescheitert.

          Seit Monaten liefern sich die beiden grünen Gruppierungen einen Stellungskrieg. Grund dafür sind zahlreiche persönliche Verletzungen. Bei der Suche nach einem Oberbürgermeisterkandidaten 2006 entschied man sich für eine Professorin aus Bonn und nicht für jemanden aus den eigenen Reihen. Den linken Heidelberger Anwalt Memet Kiliç lehnte die Landespartei als Landesvorsitzenden ab.

          Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag und Heidelberger Kreisvorsitzende, Theresia Bauer, scheiterte nun mit ihrem Vorhaben, das innergrüne Sektierertum zu ordnen. Den ungewöhnlichen Vorschlag, Mitglieder im Verzeichnis zu streichen, die auf der GAL-Liste kandidieren, lehnte die Basis ab. Sie sollen stattdessen mit einem formalen Verfahren aus der Partei ausgeschlossen werden.

          Das widerspricht nicht nur den Vorstellungen der Grünen von innerparteilicher Liberalität, es dürfte auch zu einem handfesten Problem führen. Denn der gerade für Listenplatz zehn zur Bundestagswahl nominierte Kiliç will in Heidelberg für die GAL-Liste antreten, müsste damit also aus der Partei ausgeschlossen werden. Aber ist es klug, einen Bundestagskandidaten auszuschließen? „Das Dilemma liegt klar auf der Hand“, sagt Frau Bauer zur jetzigen Situation.

          Manche Grüne machen für das Heidelberger Chaos denselben Mann verantwortlich, dem auch das Scheitern des künftigen grünen Bundesvorsitzenden Özdemir beim jüngsten Landesparteitag angelastet wird: Fritz Kuhn. Der Fraktionsvorsitzende im Bundestag habe „kein einziges Gespräch“ geführt. Kuhns Bundestagswahlkreis ist Heidelberg.

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