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Görlitz : Schöner wohnen, auf Probe

Schön und unbeliebt Bild: dpa

Görlitz hat eine wunderschöne Innenstadt. Trotzdem will bisher kaum jemand dorthin ziehen. Ein Modellversuch soll das ändern.

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          Manche meinen, Görlitz sei die schönste Stadt Deutschlands. Jedenfalls gibt es dort etwa 3500 denkmalgeschützte Gebäude, die das größte Flächendenkmal in Deutschland bilden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Auch dank der beharrlichen Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz strahlt das lückenlos erhaltene Ensemble aus Häusern in den Stilen der vergangenen 500 Jahre heute wieder. Doch noch immer leidet Görlitz unter der Abwanderung; in den historischen Vierteln stehen 5000 Wohnungen leer.

          Die Görlitzer Stadtverwaltung hat sich schon manches einfallen lassen, um Leute zum Umzug ins Zentrum zu bewegen. In einem Plattenbaugebiet verteilten Mitarbeiter Postkarten, die für den Umzug in historische Bausubstanz warben. Doch diese Aktion stieß auf wenig Gegenliebe.

          Erfolgreicher ist der Versuch, vor allem Rentner aus dem Westen mit liebevoll hergerichteten und preisgünstigen Renaissance- und Jugendstilwohnungen anzulocken. Rund 1000 rüstige Damen und Herren haben mittlerweile ihren Wohnsitz in die östlichste Stadt Deutschlands verlegt.

          Die neueste Idee wurde nicht in der Görlitzer Stadtverwaltung, sondern im „Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau“ an der Technischen Universität Dresden entwickelt. Beim Modell „Probewohnen“ können Familien, Alleinerziehende, Junggesellen oder Paare von Mitte September an eine Woche lang kostenlos in einer möblierten Dreizimmerwohnung ausprobieren, wie es sich mitten in Görlitz lebt.

          Vor, während und nach dem Probewohnen werden die Probanden von den Dresdner Forschern eingehend befragt. Sie erhoffen sich, die Gründe für den Leerstand genauer erforschen zu können. Die Aktion wird mit dem schönen Titel „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) durch das Bundesbauministerium gefördert und stößt auf reges Interesse: Für die erste Probewohnstaffel, die bis Ende Oktober läuft, haben sich 116 Interessenten aus 53 Haushalten in ganz Deutschland gemeldet.

          Zwar kamen auch aus München, Hannover, Freiburg und Rostock Bewerbungen, doch werden Interessenten aus Görlitz und Umgebung vorgezogen. Im kommenden Frühjahr soll eine zweite Probewohnphase beginnen.

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