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Geradstetten : Zehnjährige als Autoknacker

Virtueller Autoklau Bild:

Wer wissen will, wie sehr gewaltverherrlichende Computerspiele zur Lebenswelt von Grundschülern gehören, der muss offenbar Schülerzeitungen lesen. Eltern im baden-württembergischen Geradstetten, taten das und waren schockiert. In der Schülerzeitung der dortigen Grund- und Hauptschule klagen drei Viertklässler über die Altersbeschränkungen für die Computerspiele.

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          Wer wissen will, wie sehr gewaltverherrlichende Computerspiele zur Lebenswelt von Grundschülern gehören, der muss offenbar Schülerzeitungen lesen. Eltern im baden-württembergischen Geradstetten, einem kleinen Ort zwischen Waiblingen und Schorndorf, taten das und waren schockiert. In der Schülerzeitung „Janus“ der dortigen Grund- und Hauptschule klagen drei Viertklässler über die Altersbeschränkungen für die Computerspiele „Grand Theft Auto 4“ und „Grand Theft Vice City“. In dem Spiel „GTA 4“ schlüpfen die Spieler in die Rolle eines gewalttätigen Autodiebs, der in New York mit Pistolen, Schrotflinten und Flammenwerfern kämpft und Autos stiehlt.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das Erschreckende an dem Geradstettener Fall ist das Alter der Schüler, denn die Autoren sind Grundschüler im zarten Alter von zehn Jahren. Der Einzugsbereich der Schule ist auch kein sozialer Brennpunkt, es handelt sich um eine Landschule im nördlich von Stuttgart gelegenen Remstal. „Als Waffen gibt es Pistole, Schrotflinte, Flammenwerfer. Mir gefällt das Spiel, weil es so viel Spaß macht“, schreibt ein Viertklässler, und ein Klassenkamerad gesteht: „Weil ich das Spiel selbst nicht habe, spiele ich es immer bei meinen Freunden.“

          Michael Gomolzig, der Rektor der Schule, hat die Artikel in der Schülerzeitung nicht zensiert, im Gegenteil: Der Lehrer war froh, dass den Eltern bewusst wird, womit sich ihre Kinder beschäftigen. „Ich lehne Killerspiele ab, sie gehören heute aber zur Realität und zum Alltag von Zehnjährigen. Ein Drittel aller Grundschüler haben einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer.“ Die Eltern müssten sich intensiver mit den Freizeitaktivitäten ihrer Kinder beschäftigen. Der Amoklauf von Winnenden habe die Eltern für die Gefahren dieser Spiele sensibilisiert, sagt Gomolzig. „Manche schauen Horrorvideos bei Geburtstagspartys oder sie lassen sich das Spiel von der Oma schenken, die gar nicht weiß, was sie da kauft.“ Leider wissen sogar schon die Viertklässler, auf welchen Websites sie sich gewaltverherrlichende Spiele herunterladen können.

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