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Freiburg : Hammer und Zirkel im Breisgau

Eine Provokation Bild: dpa

Ausgerechnet der Strafrechtsprofessor Hefendehl ist mit einer blauen DDR-Trikotjacke samt Wappen vor seine Studenten getreten, um sie zu einer Diskussion über die Begriffe „Recht und Unrecht“ zu bewegen - und das auch noch in Freiburg, wo der bundesrepublikanische Westen am westlichsten ist.

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          Dem Freiburger Strafrechtsprofessor Roland Hefendehl ist vertraut, dass das Tragen von „Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ mit einem Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe geahndet werden kann. Es gab sogar einige Gerichte, die selbst das Tragen von durchgestrichenen Hakenkreuzen bestrafen wollten.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nun ist die Verwendung des früheren Staatswappens der DDR, bestehend aus Hammer, Zirkel und Ährenkranz, zur staatsbürgerlichen Aufklärung oder der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens zwar nicht strafbar. Es zeugt aber von einer großen Lust an der Provokation, wenn ausgerechnet der Strafrechtsprofessor Hefendehl mit einer blauen DDR-Trikotjacke samt Wappen vor seine Studenten tritt, um sie zu einer Diskussion über die Begriffe „Recht und Unrecht“ zu bewegen - und das auch noch in Freiburg, wo der bundesrepublikanische Westen am westlichsten ist.

          Er wolle „emotional provozieren“, es handle sich um ein „didaktisches Mittel“, hat der Professor zu Protokoll gegeben, der seit 2006 am Freiburger Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht lehrt. Man muss sich den leicht hysterischen Stellungnahmen des Rings Christlich-Demokratischer Studenten nicht anschließen, die auf ihrer Homepage auch noch Sichel und Zirkel verwechseln. Angebracht wäre aber vielleicht eine andere Frage: Warum muss die Studentenschaft bei einem solchen Thema überhaupt didaktisch provoziert werden?

          Der erst kürzlich gewählte Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, Hans-Jochen Schiewer, hat Hefendehl empfohlen, den DDR-Pulli künftig nicht mehr als didaktisches Kampfmittel einzusetzen. Hefendehl gilt als unkonventioneller Hochschullehrer; von den Studenten bekommt er wohl auch deshalb gute bis sehr gute Noten. Und er ist offenbar auch unkonventionell genug, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Vielleicht trägt er demnächst ein T-Shirt mit dem Foto von Ally McBeal? Anhand der Fernsehserie, hat Hefendehl einmal gesagt, lasse sich das „tolle amerikanische Gerichtssystem“ gut erklären. Seinen Studenten hat er die Serie mit der mageren Anwältin deshalb nachdrücklich empfohlen.

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