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Bonn : Warum Kelly und nicht Hupka?

Bild: Bernd Helfert

Die Bonner CDU wollte Herbert Hupka, den im Jahr 2006 verstorbenen langjährigen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien, Vizepräsidenten des Bundes der Vertriebenen und Bundestagsabgeordneten, mit einem Straßennamen ehren. Die anderen Fraktionen waren nicht überzeugt.

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          Die Bonner CDU ahnte wohl, dass es nicht leicht sein würde, für die „Aufnahme von ,Dr. Herbert Hupka' in die Straßenbenennungsliste“ eine Mehrheit im rot-grün dominierten Rat der Bundesstadt zu bekommen.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          In der Begründung ihres Antrages für die posthume Ehrung des im Jahr 2006 verstorbenen langjährigen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien, Vizepräsidenten des Bundes der Vertriebenen und Bundestagsabgeordneten erinnert sie zunächst daran, dass Hupka als sogenannter jüdischer Mischling ersten Grades den „Rassenhass des NS-Regimes“ am eigenen Leib zu spüren bekommen habe.

          Zu seinem späteren Wirken als Vertriebenenpolitiker heißt es etwa: „Er war Mahner gegen das Vergessen, unruhiges Gewissen gegenüber denjenigen, die verdrängen wollten, und ein aufrichtiger Aussöhner im Verhältnis zu unseren europäischen Nachbarn, vor allem zu Polen.“ Dass er, vehementer Gegner der „Neuen Ostpolitik“, diese Arbeit seit 1972 nicht mehr als SPD-, sondern als CDU-Bundestagsabgeordneter leistete, findet vorsichtshalber keine Erwähnung. Dafür fehlt der Hinweis auf Hupkas schlesische Heimatstadt Ratibor nicht, die ihm den Ehrentitel eines verdienten Bürgers schon verliehen habe.

          Die anderen Fraktionen überzeugte dies nicht. Der Rat lehnte den Antrag mit den Stimmen von SPD, Grünen und Bonner Bürgerbund ab, die FDP enthielt sich. Ein „Zeugnis der Ausgrenzung“ der Vertriebenen aus dem politischen und kulturellen Leben der Stadt, nannte Stephan Rauhut, Vorsitzender der Kreisgruppe Bonn der Landsmannschaft Schlesien, diesen Beschluss.

          Die Verwaltung hatte in ihrer Stellungnahme keine „grundsätzlichen Bedenken“ erhoben, aber darauf hingewiesen, dass „über das bundespolitische Wirken“ von Herrn Hupka hinaus und den Umstand, dass er bis zu seinem Tode in Bonn lebte, keine „weiteren unmittelbaren Bezüge zur Stadt Bonn“ erkennbar seien. Dieses Argument sei für die Ablehnung der SPD ausschlaggebend gewesen, heißt es dort.

          Worin diese „weiteren unmittelbaren Bezüge“ in der Vita der Grünen Petra Kelly zu sehen sind, der im Todesjahr Hupkas eine „Allee“ gewidmet wurde, bleibt hierbei allerdings das Geheimnis der SPD.

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