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Augsburg : Treppenwitz am Turm

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          Das Wort vom Treppenwitz der Geschichte bekommt derzeit in Augsburg eine ganz eigene Bedeutung. Dort stört sich die „Bürgerinitiative gegen den Treppenanbau am Fünffingerlesturm“ daran, dass die „Altaugsburggesellschaft“ den Anbau einer modernen Außentreppe an den Turm betreibt.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Nach Ansicht der Treppengegner wird dadurch die „Außenwirkung des Turms“, der eine „verschlafene“ Stimmung erzeuge, „nachhaltig gestört“: Das hätten „unsere Ur-Ur-Großeltern“ nicht gewollt. Der Turm, der wegen seines Zeltdachs und der vier Wachttürmchen eigentlich „Fünfgratturm“ heißt, war früher in die Stadtmauer, bis zu deren Teilabriss 1868, integriert.

          Die Altaugsburggesellschaft, Mieterin des Turms, will zweierlei: den Turm, der der Stadt gehört und unter Denkmalschutz steht, sanieren (was nach Ansicht der Treppengegner nicht nötig ist) und ihn - über die Treppe - sinnvoll nutzen: Von einem kleinen Museum war die Rede, von Dichterlesungen und Märchenstunden.

          Die Stadt hat den Treppenanbau im Juni 2007 genehmigt, kurz darauf begannen die Erdarbeiten. Ein Bürgerbegehren gegen einen Überlassungsvertrag zwischen Stadt und Altaugsburggesellschaft, das die Treppengegner anstrengten, wurde im April vom Stadtrat für unzulässig befunden.

          Zuvor hatten die Treppenbefürworter die Treppengegner bezichtigt, mit unlauteren Mitteln Stimmung zu machen. Eine Montage sei ins Internet gestellt worden, die die Sprengung der Treppe zeige.

          Am 22. April kamen die Gegner ihrem Ziel auf weniger militante Weise näher: Die Stadt verfügte einen Baustopp, weil die Treppe entgegen der Genehmigung auf den Gehweg hinausragt. „Arrogant streckt der Gitterkäfig am Turm seinen Stahlfinger in unseren öffentlichen Straßenraum“, heißt es dazu auf der Internetseite der Treppengegner.

          Am Samstag besuchte der neue Oberbürgermeister Kurt Gribl, ein Baujurist, der als CSU-Kandidat den Treppengegnern im Wahlkampf seine Unterstützung zugesagt hatte, den Turm. Einen Abriss der insgesamt 200 000 Euro teuren Treppe wollte er einen Tag nach seiner Amtseinführung aber nicht versprechen.

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