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Stichwahl in Rumänien : Mit der Zahnbürste zur Präsidentenwahl

  • -Aktualisiert am

In Bukarest waren die Wahlkabinen zur Stichwahl um das rumänische Präsidentenamt in den Landesfarben gehalten Bild: Reuters

Wie schon vor zwei Wochen stehen vor den Wahllokalen zur Stichwahl um das rumänische Präsidentenamt tausende Menschen an. Viele Auslandsrumänen harrten schon in der Nacht in der Kälte aus, um ihre Stimme abzugeben.

          Wie schon vor der ersten Runde der rumänischen Präsidentenwahl, die vor zwei Wochen statt fand, bildeten sich auch am Sonntag bei der Stichwahl lange Schlangen vor den 300 Wahllokalen, die für die rund drei Millionen Auslandsrumänen in verschiedenen Ländern eingerichtet wurden. Die Wahl entscheidet, ob der sozialdemokratische Ministerpräsident Victor Ponta, der in der ersten Runde 40 Prozent der Stimmen erhalten hat, oder der liberale deutschstämmige Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis (30 Prozent) die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Traian Băsescu antritt. Mit den Stimmen der Auslandsrumänen könnte es Johannis gelingen, die Wahl für sich zu entscheiden.

          Vor dem Generalkonsulat in München stellten sich die ersten Wahlwilligen bereits am Samstag Abend und harrten die Nacht über in der Kälte aus, um ihre Stimme abgeben zu können. Die ersten, denen das bei der Öffnung des Wahllokals um sechs Uhr gelang, wurden bejubelt und umarmt. Auch in Stuttgart hatten sich gegen neun Uhr bereits 3000 Rumänen vor dem Konsulat eingefunden. Kein Foto könne wiedergeben, was sich hier abspiele, schreibt die Bloggerin Madalina Rosca, die ihre Landsleute in München dazu aufgerufen hatte, sich unter Mitnahme einer Zahnbürste bereits am Vorabend vor dem Konsulat einzufinden.

          In Brüssel und in Paris, in London, Wien, Stuttgart und weiteren Städten stellten sich viele Tausende Rumänen ebenfalls auf stundenlange Wartezeiten ein. In Turin hatte die Warteschlage in den frühen Morgenstunden bereits eine Länge von zwei Kilometern erreicht. Seit dem Sturz des kommunistischen Diktators Nicolae Ceaușescu vor 25 Jahren, unter dessen Regime man sich stundenlang um Brot oder Milch anstehen mussten, hatten die Rumänen so etwas nicht mehr erlebt.

          Nach den ersten Berichten dürfte der Ansturm der Wähler am Sonntag noch viel stärker ausgefallen sein als bei der ersten Runde. Damals wurden Tausende daran gehindert, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Am Wochenende kam es in Bukarest und in anderen rumänischen Städten zu Protestdemonstrationen gegen die Entscheidung der Regierung, entgegen der Empfehlung der Zentralen Wahlkommission keine zusätzlichen Wahllokale einzurichten. In Rumänien selbst werden Manipulationen der Wahlergebnisse zugunsten des Ministerpräsidenten befürchtet. Für heute Abend ist in der rumänischen Hauptstadt eine Demonstration vor dem Außenministerium angekündigt, das für die Durchführung der Wahl zuständig ist.

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