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Stichwahl in Frankreich : Sarkozy setzt auf Richtungsstreit

Auf dem Weg in den nächsten Wahlkampf: Nicolas Sarkozy Bild: AFP

Nach der Wahl ist vor der Wahl: In Frankreich bereiten sich die verbliebenen Präsidentschaftskandidaten auf die Fortsetzung ihrer Kampagnen vor. Während Sarkozy auf eine inhaltliche Debatte setzt, ist die Strategie der Sozialistin Royal noch unklar.

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          In der dunkelblauen Renault-Velsatis-Limousine, die an den republikanischen Garden vorbei in den Innenhof des Elysée-Palastes vorfährt, sitzt Nicolas Sarkozy. Der Sieger des ersten Wahlganges hat es sich nicht nehmen lassen, am Montagmorgen im Präsidentenpalast vorbeizuschauen. Natürlich nur als Gast, auf Einladung von Jacques Chirac, der ihm zu seinem Erfolg gratulieren wollte. Sarkozy erfüllt es mit Stolz, dass seine von vielen skeptisch beäugte Strategie des Stimmenfangs am äußersten Rand der Rechten aufgegangen ist. Mindestens eine Million Wähler hat Sarkozy dem Front-National-Kandidaten abspenstig gemacht und das Bonmot Le Pens umgekehrt, seine Wähler entschieden sich lieber für das Original als für die Kopie.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sarkozy hat für die bürgerliche Rechte das beste Ergebnis im ersten Wahlgang seit 1974 erzielt, als Valéry Giscard d'Estaing 32,6 Prozent erhielt. Insbesondere die „classes populaires“ genannten unteren Einkommensschichten, Arbeiter, niedere Angestellte und Handwerker, hat Sarkozy für die bürgerliche Rechte zurückerobert. Dem UMP-Vorsitzenden gelang es, die Bastionen der extremen Rechten im mediterranen Süden wie im Elsass zu Fall zu bringen. So lag er mit 36,2 Prozent im Elsass auf dem Spitzenplatz, an der Côte d'Azur schaffte er es im Département Alpes-Maritimes sogar auf 43,5 Prozent.

          „Ségolène Royal würde Frankreich ruinieren“

          Le Pen verlor an der Mittelmeerküste zwischen zehn und zwölf Prozentpunkte. In Marseille, wo Le Pen 1988, 1995 und 2002 den Spitzenplatz erhielt, siegte Sarkozy mit 34,25 Prozent. Selbst in Lyon, Hochburg der Zentristen, gaben die Wähler mit 34,4 Prozent Sarkozy die meisten Stimmen. In Paris, das seit 2001 von einem sozialistischen Bürgermeister geführt wird, errang Sarkozy 35 Prozent - Ségolène Royal schaffte nur 32 Prozent.

          „Alles, nur nicht Sarkozy”: Ségolène Royal kämpft weiter

          Sarkozy wirkte am Sonntagabend im überfüllten Saal Gaveau sichtlich erleichtert, dass es in der Stichwahl am 6. Mai zu dem Duell gegen die Linke kommt, das er sich erträumt hat. Seine Strategie gegen Ségolène Royal ist klar: Er will eine Debatte über das Präsidentschaftsprojekt, eine inhaltliche Auseinandersetzung, die offenbaren möge, wie unausgereift Ségolène Royals Programm noch ist. Wie ein Signal wirkt da die Entscheidung von deren früherem Wirtschaftsberater Eric Besson, nach dem Rücktritt aus Wahlkampfstab und Sozialistischer Partei Sarkozy zu unterstützen, weil „Ségolène Royal Frankreich ruinieren würde“.

          Sarkozy will Solidarität „wie in einer Familie“

          „Die Franzosen haben klar ihren Wunsch ausgesprochen, dass wir die Debatte über zwei unterschiedliche Vorstellungen von der Nation, zwei Gesellschaftsprojekte, zwei Wertesysteme, zwei politische Konzepte zu Ende führen“, sagte Sarkozy. Nach der an der Grenze der republikanischen Verträglichkeit geführten Debatte etwa über genetische Prädisposition zur Pädophilie und zum Suizid hat Sarkozy jetzt den Weichspülgang eingeschaltet. „Ich will alle Franzosen beschützen, die sich vor der Zukunft fürchten, die sich fragil und verletzlich fühlen, die das Leben immer schwerer und härter finden“, sagte Sarkozy.

          „Ich will sie gegen die Gewalt und die Kriminalität schützen, aber auch gegen illoyale Konkurrenz, gegen Stellenverlagerungen, gegen die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen, gegen die Ausgrenzung. Ich will mit ihnen über Schutz sprechen, ohne mich des Vorwurfs des Protektionismus auszusetzen. Ich will ihnen von der Nation erzählen, ohne mich des Vorwurfs des Nationalismus auszusetzen.“ Er stelle sich das künftige Frankreich als eine brüderliche Republik vor, in der die Schwächsten „wie in einer Familie“ genauso viel „Liebe, Respekt und Beachtung“ finden wie die Stärksten. Sarkozy nannte das den „neuen französischen Traum“.

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