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Stichwahl am Sonntag : Fast täglich Tote im kongolesischen Wahlkampf

  • -Aktualisiert am

Die europäische Eingreiftruppe Eufor soll im Kongo für Ruhe sorgen Bild: dpa

An diesem Sonntag stimmt der Kongo in einer Stichwahl über seinen neuen Präsidenten ab. Die Entscheidung fällt zwischen Joseph Kabila und Jean-Pierre Bemba. Begleitet wird die Wahl von extremen Sicherheitsmaßnahmen.

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          Begleitet von strengen Sicherheitsmaßnahmen, wählt Kongo am Sonntag in einer Stichwahl einen neuen Präsidenten. 25 Millionen Kongolesen sind aufgerufen, zwischen Übergangspräsident Joseph Kabila, der im ersten Wahldurchgang Ende Juli auf knapp 45 Prozent der Stimmen gekommen war, und Vizepräsident Jean-Pierre Bemba, der auf etwa 20 Prozent gekommen war, zu entscheiden.

          Kabila konnte sich der Unterstützung durch den Dritt- und Viertplazierten der ersten Runde, Antoine Gizenga (knapp 13 Prozent) und den Sohn des früheren Diktators Mobutu Sese Seko, François-Joseph Nzanga Mobutu (4,8 Prozent), versichern. Bemba wiederum hat eine ganze Reihe von unterlegenen Präsidentschaftskandidaten um sich scharen können, von denen indes nur einer - Oscar Kashala - mit rund drei Prozent in der ersten Wahlrunde auf eine nennenswerte Zahl von Anhängern kommt.

          15.000 UN-Soldaten im Osten in Alarmbereitschaft

          Angesichts der Kämpfe zwischen der Präsidentengarde und der Leibwache Bembas unmittelbar nach Bekanntgabe der Resultate des ersten Durchgangs im August, bei denen mindestens 23 Personen ums Leben gekommen waren, haben sowohl die UN-Mission in Kongo (Monuc) als auch die europäische Eingreiftruppe Eufor ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Im Stadtteil Gombe von Kinshasa, wo die Präsidentengarde mit Panzern auf Bembas Residenz geschossen hatte, patrouillieren Tag und Nacht Blauhelmsoldaten mit gepanzerten Fahrzeugen.

          Eufor wiederum hat 400 zusätzliche Soldaten aus Gabun nach Kinshasa verlegt, um „auf alles gefaßt zu sein“, wie es hieß. Die Truppenstärke der Europäer beträgt nunmehr knapp 1500 Mann, die am Flughafen von N'Dolo im Stadtzentrum stationiert sind. Hinzu kommen 80.000 kongolesische Polizisten, die zur Sicherung des Wahltages abgestellt wurden. Im notorisch unruhigen Osten des Landes wurden 15.000 UN-Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt.

          Schwerer Überfall auf Kabilas Kabinettschef

          Nahezu täglich werden aus allen Landesteilen Zusammenstöße zwischen Anhängern beider Lager gemeldet. Am Donnerstag beispielsweise war Nzanga Mobutu bei einer Wahlkampfveranstaltung für seinen neuen Koalitionspartner Kabila in Gbadolite von Bemba-Anhängern angegriffen worden und mußte an Bord eines UN-Panzers fliehen. Vier Personen, darunter drei Polizisten, kamen bei den Zusammenstößen ums Leben. Gbadolite ist die Heimatstadt sowohl der Familie Mobutu als auch der Bemba-Familie. Nzanga Mobutu ist der Schwager von Jean-Pierre Bemba.

          In Lodja in der Provinz Nord-Kasaï wurde ein Bemba-Anhänger von einem Kabila-Soldaten erstochen. In der südlichen Provinz Katanga wiederum mußte sich ein Bemba-Emissär vor aufgebrachten Kabila-Anhängern in seinem Hotel verschanzen. In der vergangenen Woche war zudem Kabilas Kabinettschef, Léonard She Okitundu, auf dem Weg in ein Londoner Fernsehstudio überfallen und schwer verletzt worden. Die Angreifer - mutmaßlich Bemba-Anhänger - schlugen den Politiker mit Eisenstangen bewußtlos, zogen ihn nackt aus und ließen ihn auf der Straße liegen. Okitundu, so hieß es auf einer kongolesischen Internetseite, sei ein Verräter, weil er für den „Ausländer“ Kabila arbeite. Die unklare nationale Herkunft Kabilas, dem viele Kongolesen unterstellen, aus Ruanda zu stammen, hatte Bemba zum Wahlkampfthema gemacht.

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