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Netzwerke zwischen Populisten : Amerika reicht Europas Rechten die Hand

Steve Bannon gilt als einer der Chefideologen der populistischen Rechten weltweit. Bild: F.A.Z., Foto: EPA

Steve Bannon will jungen Leuten „Nationalismus näherbringen“, Richard Grenell möchte „andere Konservative“ stärken. Die AfD sieht in ihnen Seelenverwandte – und möchte von ihnen lernen.

          Drei Tage, zwei Ereignisse. Am dritten Juni veröffentlichte das rechtsextreme Nachrichtenportal „Breitbart London“ ein Interview mit Richard Grenell, dem neuen amerikanischen Botschafter in Berlin. Seine Botschaft: Er wolle „absolut“ in Europa „andere Konservative“ zur Macht bringen, „andere Führer“. In einem Tweet fügte er später hinzu, überall erlebe man gerade das Erwachen einer „schweigenden Mehrheit“. Das seien Menschen, welche „die Eliten und ihre Blase“ ablehnten – und ihr Führer sei der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Am sechsten Juni folgte Ereignis Nummer zwei. Angela Merkel stellte sich im Bundestag den Fragen der Abgeordneten, das Wort ergriff Enrico Komning von der AfD: „Frau Bundeskanzlerin“, fragte der Abgeordnete, welchen Sinn habe es, mit Trump zu sprechen, etwa beim G-7-Gipfel an diesem Wochenende, „wenn Sie und nahezu alle Mitglieder Ihrer Bundesregierung den amerikanischen Präsidenten fortgesetzt und auf allen öffentlichen Kanälen diskreditieren?“

          Amerika bietet der neuen Rechten in Europa die Hand, und die neue Rechte springt für Amerika in die Bresche. Auf den ersten Blick gibt es zwar keinen Hinweis darauf, dass diese beiden Episoden direkt miteinander verbunden sind. Auf den zweiten aber werden Fäden sichtbar. Das Portal „Breitbart“, dem Grenell sein Interview gab, ist von Steve Bannon maßgeblich geprägt worden. Bannon war bis 2017 der vielleicht einflussreichste Berater Donald Trumps, und bis heute gilt er als einer der Chefideologen der populistischen Rechten weltweit. Bannon steht mit der AfD durchaus in direkter Verbindung.

          Persönliche und inhaltliche Überschneidungen

          Im März hat er mehrere Mitglieder ihrer Bundestagsfraktion in Zürich getroffen, und in einem Interview mit der „Zeit“ beschrieb er vor allem die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel und die Abgeordnete Beatrix von Storch als „phantastische Persönlichkeiten“. „So klug“, seien sie, so „wohlartikuliert“.

          Es gibt aber nicht nur persönliche Verbindungen zwischen der AfD und den Theoretikern der neuen amerikanischen Rechten, es gibt auch inhaltliche Überschneidungen. Bannon hat Trumps Handelskriege miterfunden, und in den letzten Tagen melden sich gerade in der AfD Stimmen, die im gegenwärtigen Zollkonflikt zwischen der EU und den Vereinigten Staaten offen die Position des amerikanischen Präsidenten vertreten. Der stellvertretende Parteivorsitzende Kay Gottschalk geht besonders weit.

          Er warnt die EU davor, mit „Gegenzöllen“ auf die neuen Zolltarife zu reagieren, die Trump gerade auf dem Stahl- und Aluminiummarkt eingeführt hat. Stattdessen sollte die EU ihre eigenen Sünden bedenken: Europa sei nach den Erkenntnissen der Welthandelsorganisation WTO und der OECD „viel protektionistischer als Amerika“, deshalb solle es die amerikanischen Maßnahmen „mit Demut zur Kenntnis nehmen“. Statt jetzt zurückzufeuern, solle die EU „die eigenen Zölle auf amerikanische Autos von 10 auf 2,5 Prozent senken. Man muss den Amerikanern zeigen: Wir haben verstanden.“

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