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Netzwerke zwischen Populisten : Amerika reicht Europas Rechten die Hand

Was aber kann man von Bannon lernen? – Erst einmal, wie man ein weltweites Einfluss- und Propagandanetz aufbaut, an dem keiner vorbeikann. Wie das geht, hat er mit „Breitbart“ vorgemacht, auch wenn er das Portal nicht mehr führt. Vor allem aber macht Bannon der europäischen nationalistischen Rechten auch vor, wie man dem „Establishment“ Sand ins Getriebe werfen kann. Überall, wo es in Europa gegen Europa geht, ist Bannon dabei.

Als er im März bei einer Veranstaltung des französischen Front National auftrat, rief er in die Menge, Bezeichnungen wie „Rassist, Fremdenfeind, oder was sonst auch immer“ dürften niemanden schrecken: „Tragt das wie eine Medaille.“ In Zürich hielt er eine Lobrede auf Christoph Blocher, den Chef der nationalistischen „Schweizerischen Volkspartei“, in Budapest nannte er Viktor Orbán einen „Trump, bevor es Trump gab“.

Auch in Großbritannien hat Bannon früh sein Netz geknüpft, die Kampagne für den Brexit hat sein Portal seinerzeit massiv unterstützt. Als die Briten im Juni 2016 dann tatsächlich für den Austritt aus der EU stimmten, lud er Nigel Farage, den radikalsten der „Brexiteers“, in seine tägliche Radiosendung und ließ ihn die Worte sprechen: „Das Projekt Europäische Union ist gescheitert. Es ist zum Untergang verurteilt, ich sage es mit Vergnügen.“ – „Eine große Leistung“, antwortete Bannon, „gratuliere“.

Die letzte große Mission dieses Mannes war sein Italienfeldzug. Bannon hatte schon früh auf die Sprengkraft eines Bündnisses der nationalistischen Partei „Lega“ von Matteo Salvini und der linkspopulistischen „Bewegung fünf Sterne“ von Luigi di Maio gesetzt. Tatsächlich gewannen die beiden in der Parlamentswahl vom letzten März eine rechnerische Mehrheit, und als sie im Mai dann endlich auch eine Koalition zustande brachten, schrieb der Amerikaner das Verdienst daran keinem anderen zu als sich selbst.

Der „New York Times“ sagte Bannon, gleich nach der Wahl habe er Salvini und andere Führer der „Lega“ in Mailand dazu gedrängt, sich mit di Maios „Fünf Sternen“ zusammenzutun. „Ihr seid die Ersten, die das Rechts-links-Paradigma aufbrechen können“, habe er Salvini damals gesagt. „Ihr könnt zeigen, dass der Populismus das neue Prinzip ist, um das sich alles organisiert.“

Sammelt europäische Populisten wie Briefmarken

Und jetzt also Deutschland. Bannon führt zwar „Breitbart“ nicht mehr, aber der neue amerikanische Botschafter nutzt das Portal, um jene zu hofieren, die er „andere Konservative“ nennt, und um die linke „Ideologie der offenen Grenzen“ zu verdammen. Weidel und Storch, die beiden Frauen von der AfD, deren Klugheit Bannon nicht genug loben kann, bieten ihrerseits Freundlichkeiten dar. Storch geht sogar so weit, zu behaupten, seit der Wahl Donald Trumps sei die AfD „praktisch die einzige transatlantische Partei im Deutschen Bundestag“.

Die Partei ist bereit. Gauland hat Botschafter Grenell zwar noch nie getroffen, aber sein Stellvertreter Gottschalk hat sich über das Angebot des Botschafters, den neuen Konservativen Europas zur Macht zu verhelfen, gefreut. In seinem Bundestagsbüro stellt er fest, er begrüße das Angebot des Amerikaners „im Kampf gegen die sozialistisch linke Einheitssoße in der EU zusammenzuarbeiten“.

Steve Bannon, den Mann, der europäische Populisten sammelt wie andere Leute Briefmarken, hat er längst im Blick. „Da gibt es schon eine politische Seelenverwandtschaft, eine Parallelität,“ sagt Gottschalk. „Von solchen Menschen kann man lernen. Ich würde ihn gerne mal kennenlernen.“

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